Wien. "Die Gehaltsschere geht immer weiter auseinander, dieses Missverhältnis ist strukturell bedingt", sagt Sabine Kock. Wenigen Spitzenverdienern, die vor allem an den großen Bühnen arbeiten, steht ein wachsendes Heer an Theatermachern gegenüber, die mit geringsten Gagen und prekären Arbeitsbedingungen zurechtkommen müssen. Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt in der freien Theaterszene bei 1000 Euro, etwa jeder dritte Künstler lebt unter der Armutsgrenze.

"Der Symbolwert künstlerischer Arbeit ersetzt einen Teil des realen Lohns", beklagt Kock, Geschäftsführerin der IG freie Theater, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Auf diesen Missstand soll nun die von Kock organisierte Tagung "Prekäre Ehre" hinweisen, die heute, Donnerstag, im Theater Kosmos stattfindet und internationale Referentinnen wie die Berliner Soziologin Alexandra Manske nach Wien bringt. Weiterer Tagungsschwerpunkt sind die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten: Wie in anderen Bereichen auch, arbeiten Frauen am Theater im Schnitt für 26 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen.

Belgisches Erfolgsmodell

In diesem Rahmen stellen Kock und ihre Kollegin Andrea Wälzl die von ihnen ins Leben gerufene Initiative "SMart Österreich" vor. Die Einrichtung bietet Theaterschaffenden Beratung, etwa bei der Abwicklung von Verträgen und bei Versicherungen.

Vorbild ist die belgische Privatstiftung für Künstler SMart.be. Vor 15 Jahren gegründet, garantiert das Erfolgsmodell seinen Mitgliedern mittlerweile durchgehende Anstellungsverhältnisse, gewährt Mikrokredite und Ausfallshaftungen. "Die österreichische Gesetzgebung ermöglicht derzeit kein vergleichbares Service", bedauert Kock, "aber wir bemühen uns mit aller Kraft, die Zahl der Angestellten zu erhöhen. Das Problem ist, dass zwischen Höchstgagen und Bühnen-Prekariat die Mitte fehlt. In diese Mitte vorzudringen, ist unser Ziel."

Programm

Tagung:

"Prekäre Ehre" findet heute, Donnerstag, im Theater Kosmos statt, Beginn: 11 Uhr, die Teilnahme ist kostenlos. Vorträge u. a. von IG-Geschäftsführerin Sabine Kock und der Berliner Soziologin Alexandra Manske. Um 17.30 Uhr Podiumsdiskussion mit u. a. Andreas Mailath-Pokorny.

Aufführung:

"Ich finde es gut, dass im Theater alle umsonst arbeiten. Da ist man doch gerne dabei." Ein Gastspiel des deutschen Künstlerinnen-Kollektivs Wu Wei Rekort Loew im Theater Kosmos.
Do., 21. - Sa., 23. März, 20 Uhr