• vom 21.03.2013, 17:29 Uhr

Bühne

Update: 21.03.2013, 17:50 Uhr

Volkstheater

Fratzen der Gesellschaft




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Von Petra Paterno

  • Volkstheater-Schauspieler Günter Franzmeier über seine Rolle in Gogols "Der Revisor"
  • Von allen guten Geistern verlassen: Günter Franzmeier in Gogols "Revisor".

"Keiner kommt zur Ruhe": Günter Franzmeier als hinterwäldlerischer Bürgermeister in Gogols Verwechslungskomödie "Der Revisor", Premiere ist heute, Freitag, im Volkstheater. - © Lalo Jodlbauer

"Keiner kommt zur Ruhe": Günter Franzmeier als hinterwäldlerischer Bürgermeister in Gogols Verwechslungskomödie "Der Revisor", Premiere ist heute, Freitag, im Volkstheater. © Lalo Jodlbauer

Wien. Es gibt keine guten Geister in Gogols Welt. Der russische Dichter (1809-1852) lässt in seinem Werk bevorzugt Dämonen, Betrunkene, Korrupte und andere Übeltäter auftreten. Zu Gogols berühmtesten und besten Komödien zählt das Lustspiel "Der Revisor", das heute, Freitagabend, am Volkstheater Premiere feiert.


Der Plot gestaltet sich überschaubar: Ein einfacher Beamter wird in einem Provinznest irrtümlich für einen staatlichen Revisor gehalten. Den Umstand weiß der Staatsdiener zu nutzen, indem er sich maßlos bereichert. Die Provinz ist amoralisch, korrupt und nichts ist hier so selbstverständlich wie der Betrug.

"Wir spielen das enorm hitzig. Keiner kommt je zur Ruhe, alle sind immerzu in Bewegung", sagt Günter Franzmeier im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Franzmeier verkörpert das hinterwäldlerisch-rückständige Oberhaupt der provinziellen Spießergemeinschaft. "Wir zeigen die Fratzen der Gesellschaft. Mir macht so etwas großen Spaß."

Komödien, heißt es oft, seien schwer zu spielen. "Ich finde das gar nicht", so das langjährige Volkstheater-Ensemblemitglied. "Je ernsthafter man eine Notlage spielt, desto lustiger wird die Situation, und im ,Revisor‘ gibt es ja den permanenten Notstand."

In der aktuellen Spielzeit verkörpert Günter Franzmeier neben Gogols Bürgermeister so unterschiedliche Charaktere wie den Mephisto in Goethes "Urfaust" und den Kellner Leopold im "Weißen Rössl". Als Schauspieler sei man, so der Darsteller, selten in der Lage, eine solche Bandbreite in einer Saison zeigen zu können.

"Ein Lebensirrsinn"
Franzmeiers präzises Spiel sticht auf der Bühne verlässlich hervor. Ein besonderes Kennzeichen seiner Darstellungskunst ist eine gewisse Lässigkeit, die er seinen Figuren gern verleiht. Vorläufig letzter Höhepunkt der Franzmeierschen Nonchalance: Rössl-Kellner Leopold. In dieser Rolle gibt es auch die seltene Gelegenheit, Franzmeier singen zu hören. "Damit tue ich mir etwas schwer", räumt er allerdings ein. Dabei ist der gebürtige Oberösterreicher passionierter Hobby-Musiker. "Ich spiele Gitarre, habe sechs E-Gitarren zu Hause. Ich leide wohl unter dem ‚Gear Acquiring Syndrom‘, dem Willhaben-Syndrom der Gitarren-Aficionados", lacht er. Der erste Berufswunsch des leidenschaftlichen Motorradfahrers? Rockstar!

Noch während seiner Schulzeit in der Handelsakademie ("ein Lebensirrsinn", erinnert sich Franzmeier) entdeckte er das Theater, spielte in einer Laiengruppe und trat als Maturant in Soloprogrammen auf. Doch die Aufnahmsprüfung an die Schauspielschule hat der Theaterfanatiker auch nach mehrmaligen Anläufen nicht geschafft. Schauspieler ist er dennoch geworden. "Ich bin eigentlich keine Kämpfernatur", so Franzmeier über Franzmeier. Den Weg ans Theater hat sich der Vater einer Tochter dann doch erkämpft. Er heuerte bei der Elisabethbühne an, einem kleinen Salzburger Theater: "Ich arbeitete ohne Bezahlung. Theater lernte ich so von der Pike auf."

"Ich liebe dieses Haus"
Ende der 1980er Jahre folgten erste Engagements ans Volkstheater, Franzmeier spielte in der freien Szene und war zu Beginn der Direktion Schottenberg zwei Jahre lang in Essen engagiert, aber insgesamt ist die Bühne am Weghuberpark seine künstlerische Heimat. "Ich liebe dieses Haus", schwärmt Günter Franzmeier. "Wenn man unter Volkstheater versteht, dass man Zuschauer anregen will, darüber nachzudenken, was in der Welt falsch läuft, bin ich gern dabei." Wie gerade in Gogols Geisterwelt.




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Dokument erstellt am 2013-03-21 17:32:06
Letzte Änderung am 2013-03-21 17:50:43


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