• vom 11.04.2013, 17:08 Uhr

Bühne

Update: 11.04.2013, 20:18 Uhr

Musiktheater

Wie man aus Vogelkot Geld macht




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Von Lena Dražić


    Seit 2004 gibt es nun schon das Festival "Out of Control" der Plattform netzzeit, die sich um neues Musiktheater abseits fester Spielorte und Strukturen bemüht. Heuer nimmt die Veranstaltungsserie unter dem Motto "Haben oder Sein" prononciert Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen rund um Steueroasen, Staatspleiten und die immer schwindelerregenderen Kapriolen des Finanzkapitals.

    Information

    Musiktheater
    Bird.Shit.Island
    bernhard ensemble
    Off Theater, Wh. bis 11. Mai
    Karten: 01/96096


    So auch in "Bird.Shit.Island", einer Produktion des bernhard ensembles rund um die Off-Theater-Macher Grischka Voss und Ernst Kurt Weigel. Diese "extemporierte Oper" widmet sich einer bisher wenig beachteten Facette der Analogie von Kot und Geld, die spätestens seit Sigmund Freud zum Allgemeinwissen zählt: Durch den Handel mit Guano (verwittertem Vogeldreck) zu sagenhaftem Reichtum gelangt, mutierte die Pazifikinsel Nauru infolge riskanter Geldanlagen und verbrauchter Ressourcen ebenso rasch wieder zum Entwicklungsland. Diese Story erzählt das Schauspieler-Ensemble als Lehrstück, dessen Beteiligte ein katzbuckelndes Wiener Original (Michael Welz) in einer Vorrede an die "lieben Opernfreunde" als Nationaloper von Nauru vorstellt. In - teils wohl aus Geldnot erwachsener, teils bewusst gewählter - Opposition zu der Hochglanz-Ästhetik und den Qualitätsmaßstäben des institutionellen Musiktheaters kokettiert die No-Budget-Produktion mit einem fröhlichen Dilettantismus, der seine Schwächen nicht versteckt, sondern stolz vor sich herträgt.

    Sängerische Kompetenz
    nicht gefragt

    Lustig sind die Abschnitte, in denen die Inselbewohner in gebrochenem Austro-Englisch Mutmaßungen über die kulturellen Gebräuche der Kolonialherren anstellen ("Yes, the Germans walk so funny - like this!"). Wenn in der Musik von Lonesome Andi Haller auf die Ausdrucksmittel der Oper Bezug genommen wird, dann in Form der Persiflage, ansonsten regiert auch hier die Ökonomie der Mittel (Sampler, Ukulele) und die zwanglose Selbstbedienung aus dem Fundus populärer Liedformen. Dabei geht es weder um Originalität noch ums Singen-Können, sondern schlicht darum, einen Text zu transportieren, was in diesem Rahmen auch durchaus überzeugend ist.

    Weniger überzeugend sind die vielen dramaturgischen Leerläufe und die langatmigen Erörterungen der Inselgeschichte; forciert wirken schließlich die bemühten Parallelen zur österreichischen Situation. Fazit: Mehr gelungene Wissensvermittlung als gutes Theater.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2013-04-11 16:11:02
    Letzte Änderung am 2013-04-11 20:18:24


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