Hier hilft auch die Größe nicht: Katharina Straßer und Christian Dolezal. - © Arnold Pöschl
Hier hilft auch die Größe nicht: Katharina Straßer und Christian Dolezal. - © Arnold Pöschl

Von all den Dingen, die ein Mann vor, während oder nach dem Geschlechtsverkehr nicht hören will, ist dieses wohl eines der poetischsten: "Das ist ja gar kein General, das ist höchstens ein kleiner Zugführer!" Der Satz fällt in Werner Schwabs Schnitzler-Bearbeitung "Der reizende Reigen des reizenden Herrn Schnitzler". Die ist nun in einer rasant-amüsanten Inszenierung von Andy Hallwax im Rabenhof zu sehen, mit Katharina Straßer und Christian Dolezal in den Rollen der verschiedenen sich paarenden Paarungen.

"Love stinks" - diese ewiggültige Botschaft hängt da als glitzerbunte Girlande im Verschub-Bühnenbild. Aber Sex, das weiß der kundige Frauenmagazinleser und Mädelscliquen-Serienseher, hat ja mit Liebe nicht notwendigerweise etwas zu tun. Das kommuniziert das Stück mit krasser Komik. Schwabs Sprache spielt munter mit der Obszönität und Dolezal und Straßer spielen lustvoll mit. Straßer ist als Hure von einnehmend aggressiver Körperlichkeit, als Friseurin doof-lieb vulgär, als Ehefrau gelangweilt "Shades-of-Grey"-lesend und die Schauspielerin gibt sie als Vorstadt-Paula-Wessely im Pornomodus.

Mit der Banane wedeln


Dolezal trägt "seinen" Penis (vulgo "Stummelschwanz" und "Regenwurm") in der Tasche des Bademantels - außer als Dichter, da hat er einen goldenen Oscar-Dildo. Und mit dem Bananenschwanz wedelt er auch gekonnt. Er ist nicht eindimensional brutal, er ist nicht eindimensional gierig. Höchstens am Ende trägt er als Politiker im Rollstuhl (mit rot-weiß-roten Griffen!) ein bisschen viel Döblinger Idiom auf. Er singt Georg Danzer und zieht seine Frauen in Laden aus dem Bühnenbild - einmal ist in der Lade ein Ehebett, und drüber hängt ein riesiger Phallusturm in toskanischer Landschaft: ein Ständer in Öl. Der Orgasmus ist bei Dolezal im besten Fall ein Konfettiregen, im Normalfall aber ein cartoonesker Brunftrülpser. So ein Akt ("die innere Verwaltung auf Erholungsurlaub schicken") lässt sich also zusammenfassen: kotzen, ficken, röhren. Dazu gibt es Elektro-Vorspiel von Wolfgang Schlögl.

Eine hochsatirische Pornopersiflage, die den rosa Vibrator da hinhält, wo das Vergnügen zum Leerlauf wird - und dabei ein gewaltiges Vergnügen für alle, die einmal wieder erleben wollen, welche Lust der kunstvolle Umgang mit der Sprache bereitet.