Zur Abwechslung ist es einmal nicht der übliche Mensch, der in ein Tier verwandelt wurde und nach Rückverwandlung lechzt, sondern ein Wolf, der in einen Menschen verwandelt wurde: Nachdem seine Familie von Jägern ausgerottet wird, verflucht "Wolf" die Götter, die ihn daraufhin prompt zur Strafe für seine Hochmut in einen Menschen verwandeln. Er und seine Familie werden erst zur Ruhe kommen, wenn er auch den Letzten in der Blutlinie der Jäger aus Rache ermordet hat. Eigentlich die Letzte: Denn die junge Frau, in die sich Wolf nach vermeintlich getaner Arbeit verliebt, entpuppt sich als die Tochter des letzten Jägers. Wolf ist hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen und dem Wunsch nach Erlösung.

Dem niederländischen Autor-Regisseur Theo Fransz ist mit der Inszenierung seines "Wolf" ein Juwel im Theater für junges Publikum gelungen: Bei der Umsetzung des zwischen melancholischer Poesie und gewitzten, schnellen Dialogen wechselnden Text treffen der Regisseur und seine zwei Schauspieler stets die richtigen Töne. Mareile Kretteks Ausstattung bietet dabei nicht nur die Möglichkeit zu einem vielfältigen Spiel, sondern ebenso für eindrückliche Bilder: Vor einem blutbespritzten Halbrund, das an die Schüttbilder Hermann Nitschs erinnert, und inmitten eines großen Sandhaufens wälzen, küssen, umschleichen sich Michèle Rohrbach in der Rolle des Mädchens vom Lande und Florian Hackspiel als Wolf. Nicht nur harmonieren die beiden Schauspieler im gemeinsamen Spiel; auch ihre Monologe fesseln vom ersten bis zum letzten Wort.