"Diese Arbeit greift die Seele an": Autorin Isabella Feimer über ihren Job im Sexshop. - © M. Winkelmann
"Diese Arbeit greift die Seele an": Autorin Isabella Feimer über ihren Job im Sexshop. - © M. Winkelmann

Wien. Letztlich war es kein Job wie jeder andere. Eine junge Frau nimmt aus Geldnot eine Stelle als Verkäuferin in einem Pornoladen an. Was ihr zwischen Dildos, Peitschen, Hardcore-Videos, Lack- und Lederdessous widerfährt, hält Isabella Feimer in ihrem jüngsten Stück "Pornoladen" fest. Die Uraufführung in der Regie der Autorin feiert heute, Mittwoch, im Theater Kosmos Premiere.

Den Mikrokosmos Erosbasar, das eigentümliche Gemenge aus schamhafter und schamloser Kundschaft, abgestumpften Kollegen und geldgierigem Chef, der noch das abwegigste Sex-Utensil für Bares unter die Leute bringen will, kennt die aus Mödling stammende und in Wien wohnhafte Schriftstellerin aus eigener Erfahrung: Vier Monate jobbte Feimer als Aushilfskraft in einem Sexshop. "Ich hätte nicht gedacht, dass diese Arbeit die Seele dermaßen angreift", resümiert die 37-Jährige im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Man trifft zum Teil auf wirklich beschädigte Existenzen. Bei Beratungsgesprächen tun sich mitunter Abgründe auf."

Besserer Sex


Fünf Personen in Feimers bitterer Komödie sind im Sexschuppen mit dem käuflichen Lustgewinn konfrontiert, mit dem banalen erotisierten Alltag: Regale werden mit Gegenständen dekoriert, deren Handhabe sogar hartgesottenen Kollegen schleierhaft ist; eine Kundin wird in eine Korsage aus Leder geschnürt; die Kassa funktioniert nicht - fast beiläufig stößt der Bühnentext auch in das dunkle Herz des Sexbusiness vor, in das Schmuddelreich der Pornofilmindustrie. "Manchmal wird mir schlecht, wenn ich in unserer DVD-Abteilung Filme sortieren muss", stöhnt an einer Stelle eine Bühnenfigur namens K. "Die Produkte stehen für etwas, das eigentlich nicht käuflich ist", sagt Feimer. "Ein Stück weit wird die Illusion verkauft, dass man mit Hilfe der Utensilien mehr geliebt oder begehrt wird, besseren Sex hat, Einsamkeit überwinden kann. Ich erinnere mich an Begegnungen, die tragisch und traurig verliefen."

Im Stück hält die Autorin, die im Vorjahr zum Bachmannpreis-Wettlesen geladen war, gekonnt die Balance zwischen Tragik und jener Form der Absurdität, die darin liegt, eine übersexualisierte Umgebung zur alltäglichen Arbeitsstätte zu erheben. "All die Gegenstände, die wir verkauften", resümiert die Autorin ihr Porno-Abenteuer, "mussten wir entsexualisieren und so banalisieren." Sonst drohe, so Feimer, im Reich der käuflichen Erotik die Gefahr, irrsinnig zu werden.