Martialisches Mysterienspiel: Das Serapions Ensemble setzt auf opulente Bilder. - © Veronlka Birkner
Martialisches Mysterienspiel: Das Serapions Ensemble setzt auf opulente Bilder. - © Veronlka Birkner

25 Jahre ist es her, als Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann die im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Getreidebörse in der Taborstraße für sich entdeckten: Ihr 1973 gegründetes Serapions Ensemble zog nach aufwendigen Rekonstruktionsarbeiten ins neue Stammhaus namens Odeon ein, das mit seiner Säulen-Architektur Basis für außergewöhnliche Bühnenbilder und Atmosphären bietet. Seither wurden in dem Theatersaal 30 Arbeiten des Serapions Ensemble realisiert, die jüngste, "Paradiso", feierte kürzlich Premiere.

Imposant ist das Bild, das den Zuschauer schon beim Betreten des Saals erwartet. Eine riesige Wand aus scheinbar schweren Sandsäcken, davor ein gebrechliches in Lumpen gehülltes Weiblein: Richtig, die Chefin höchstpersönlich gibt hier den roten Faden der noch folgenden aneinander gereihten "Akte". Und an diesem roten Faden nestelt sie auch in jeder Szene der 80-Minuten-Performance leidend herum. Die Wand kippt dann um zu einer düsteren Landschaft - allerdings aus Kissen. In dieser mysteriösen Atmosphäre versuchen nun, neun Zombie-ähnliche Wesen tanzend und singend dem opulenten Gesamtbild einen Plot einzuflößen. Doch dies misslingt.

Rätselhafte Gefühlsausbrüche


In den darauf folgenden Bildern - insgesamt vier "Akte" - performen die Darsteller "Aspekte des Zusammenlebens" - so steht’s im philosophischen Programmbuch geschrieben. Sie wechseln ihre Mimik von verängstigt bis aggressiv. Das auslösende Moment der Gefühlsausbrüche bleibt jedoch rätselhaft. Und das Bewegungsmaterial? Martialisch wiederholend, doch leider wird hier auf Synchronizität in Ensembleszenen verzichtet - zu sehr fühlen sich die durchwegs interessanten Performer als Solisten.

Erwin Piplits und Ulrike Kaufmann ist mit "Paradiso" ein Rückblick auf ihre Schaffenszeit gelungen, wenn dieser vielleicht in dieser Form auch nicht beabsichtigt war. Es gibt keine Überraschungen: Schichtenkostüme, pompöse Bühnenbilder und auch die Lichtregie sowie die Choreografie hinterlassen einen bereits bekannten schalen Nachgeschmack. Da kompensiert auch die Musikkulisse, dievon südamerikanischen Volksliedern bis Tom Waits reicht, nicht mehr. Ist eine Aneinanderreihung von hübschen Bildern, die sinnentleert Szenen zusammenfügen, dennoch sinnvoll? Die Diskussion ist somit eröffnet!