Natürlich kann man weiterhin über die Tier-Attrappen motzen: So malerisch sie auf der Staatsopernbühne auch gruppiert sind, machen diese Pferde doch nicht unbedingt den dynamischsten Eindruck. Und wenn sie zuletzt von einem Flammenmeer angestrahlt werden, sieht das eher nach dem tragischen Unglück eines Ringelspielbesitzers aus denn nach Wagners Feuerzauber.

Solange diese sechs Jahre alte Inszenierung von Franz Welser-Möst beschallt wird, sind solche Nörgeleien aber nachrangig. Der Musikdirektor des Hauses setzt im Rahmen des aktuellen "Ring"-Durchlaufs premierenwürdige Energie frei: Bei generell straffen Tempi galoppierte die "Walküre" von einem punktgenau inszenierten Spannungsgipfel zum nächsten, wobei die Eruptionen des (tiefen) Blechs die Streicher nicht daran hinderten, kantable Reize auszuspielen.

Und an diese Leistungsschau knüpften die Sänger an. Da konnte man allenfalls bekritteln, dass Simon O’Neill (Siegmund) fast jedes "e" zum "ä" verbog. Seine Sangeskraft aber: remarkabel. Ain Anger war daneben ein rabenschwarz blaffender Hunding und Tomasz Konieczny ein Wotan mit schier endloser Energie, aber auch feinen Zwischentönen. Über Letztere gebot auch Mihoko Fujimura: Als Fricka in jeder Hinsicht durchsetzungsstark, machte ihr vokaler Feinschliff beizeiten mozartianischen Eindruck. Fulminant die Kolleginnen: Camilla Nylund mit strömendem Sieglinde-Sopran und Nina Stemme (Brünnhilde) als Meisterin der stupenden Attacke. Glücklich, wer solche Ausnahmeabende Repertoire nennen darf: großer Applaus.