Zwischen Realität und Fiktion bewegen sich die Menschen in Pensottis "Cineastas". - © A. Bardel
Zwischen Realität und Fiktion bewegen sich die Menschen in Pensottis "Cineastas". - © A. Bardel

"Ich erfand Geschichten und gelangte durch sie zur Realität", stellte einst der französische Filmemacher Jean-Luc Godard fest: "Aber hinter der Realität ist wieder Fiktion." Das Vexierspiel zwischen Faktischem und Fiktivem nimmt auch der argentinische Theatermacher Mariano Pensotti zum Ausgangspunkt für sein jüngstes Stück "Cineastas" (Filmemacher), das im Rahmen der Wiener Festwochen im brut-Künstlerhaus Premiere feierte.

Das Bühnenbild von Mariana Tirantte besteht folgerichtig aus zwei übereinander liegenden Räumen, die simultane Spielabläufe ermöglichen. Auf ebener Erde werden vier Filmemacher aus Buenos Aires vorgestellt, die im Lauf eines Jahres einen Film drehen; im ersten Stock zeigen die Schauspieler simultan kurze Szenen aus jenen Filmen, die im Entstehen sind. Die kurzweilige, rund 100 Minuten lange Aufführung zeigt, wie sich die persönlichen Lebensumstände auf die Arbeit am Film auswirken und wie die Entwicklung des Film-Plots wiederum die Privatleben der Regisseure irritiert.

Der Film, das Theater und das wirkliche Leben


Aus der konzeptuell reizvollen Kollision der Medien - Film hält Geschichten dauerhaft auf Celluloid fest, Theater ist flüchtig wie das Leben selbst - formt der 40-jährige Regisseur, seit Jahren eine Fixgröße im internationalen Festivalbetrieb, eine launige, mitunter ins Melodramatische abgleitende Handlung.

Da ist der kommerziell erfolgreiche Filmemacher, der von seiner todbringenden Krankheit erfährt und sich deshalb nicht mehr imstande sieht, wie ehedem geistlose Komödien zu produzieren. Da ist die Independent-Künstlerin, die nach ihrem Überraschungsdebüt unter Erfolgsdruck ideenlos wird - und schließlich ein Drehbuch verfilmt, das sie an ihre eigene Familientragödie erinnert. Und da wären noch jener mittellose Regisseur, der sich mit einem Job bei McDonald’s über Wasser hält und nach Schichtende mit Freunden einen wüst-wirren Anti-Kapitalismusfilm fabriziert, und die intellektuelle Dokumentaristin, deren Leben nach der Scheidung aus den Fugen gerät.

Fünf Schauspieler spielen hier ohne Kostümwechsel zig Rollen, die unaufhörlichen Identitätswechsel auf der Bühne werden durch einen Erzähler plausibel gemacht, die raschen Szenen- und Ortswechsel anhand weniger Requisiten etabliert, die unterschiedlichen Handlungsstränge formidabel verwoben. Das Ineinanderfallen von Schwerem und Leichtem zu ebener Erde und erstem Stock: ein kleines Festwochen-Meisterstück.