• vom 11.06.2013, 16:14 Uhr

Bühne


Theaterkritik

Schnitzler mit einem Hauch von Nostalgie




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Von Lona Chernel


    Ein stimmungsvoller Schlosshof, ein wunderschönes Bühnenbild, ein lauer Frühsommerabend: Zehn-Jahres-Jubiläum der Sommerspiele Schloss Sitzenberg. Auf dem Programm steht Schnitzler: "Komtesse Mizzi" und "Anatols Hochzeitsmorgen". Letzteres ein Paradeauftritt für ein hervorragendes Schauspielertrio: Peter Fernbach (ein idealer Anatol), Martin Gesslbauer, Adrienne Lang. Der Abend aber gehört "Komtesse Mizzi", der Geschichte um Hochmut, Vorurteile, Lügen und dennoch auch Liebe.


    Verwehter Schluss
    Man hat das Stück schon oft in glänzenden Inszenierungen und mit Starbesetzung gesehen, so stimmig wie hier allerdings noch selten. Regisseur Reinhard Hauser gelang die Gratwanderung zwischen Gesellschaftskritik und Menschlichkeit. Wie einsam der alte Graf (Gerhard Dorfer) ist, wie verklemmt der Fürst (Felix Kurmayer), wie Mizzi (Michaela Ehrenstein) sich bemüht, nur ja kühl zu bleiben und schließlich doch zu ihren Muttergefühlen steht, wie des Grafen langjährige Geliebte Lolo (Christine Renhardt) ihr Leben selbst in die Hand nimmt und wie schließlich Philipp (Sebastian Blechinger), Mizzis und des Fürsten unehelicher Sohn, die ganze Partie durch seine Ehrlichkeit aufmischt, das ist sehenswert. Und dies alles spielt sich im unschuldigen Weiß des eingangs erwähnten Bühnenbildes (Erwin Bail) ab. Ein Hauch von Nostalgie, gekonnt präsentiert, der am Schluss verweht.

    Theater

    Schnitzler-Einakter

    Reinhard Hauser (Regie)

    Mit: Michaela Ehrenstein, Gerhard Dorfer, Peter Fernbach

    Sommerspiele Schloss Sitzenberg

    Wh.: bis 23. Juni




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    Dokument erstellt am 2013-06-11 16:17:02


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