Vom Laientheater zum professionellen Geschäftszweig: Generationenablöse an niederösterreichischen Sommer-Spielorten, in vielen Bereichen sind nun Profis in Sachen zeitgemäßes Unterhaltungstheater am Werk. Im Bild v.l.n.r: Alexander Jagsch als "Der Hofnarr" in Asparn;
Vom Laientheater zum professionellen Geschäftszweig: Generationenablöse an niederösterreichischen Sommer-Spielorten, in vielen Bereichen sind nun Profis in Sachen zeitgemäßes Unterhaltungstheater am Werk. Im Bild v.l.n.r: Alexander Jagsch als "Der Hofnarr" in Asparn;

Wien/NÖ. 1949 ist für die Geschichte des Sommertheaters ein bedeutsames Jahr: Die Chronik des Landesmuseums Niederösterreich verzeichnet die erste Freilicht-Theateraufführung der Nachkriegsjahre. Eine beherzte Laientruppe inszenierte damals einen "Wachauer Jedermann" im Kolomanihof des Stifts Melk. In den 1950er Jahren kamen die Kremser Festwochen dazu, in Klosterneuburg wurde 1958 Goethes "Urfaust" gezeigt.

Am Beginn stand Laientheater mit bildungsbürgerlichem Anspruch. Die Gegenwart ist bestimmt von professioneller Bühnenarbeit, mit Hang zur Unterhaltungsware, Musik inbegriffen.

Die Saison 2013 wurde mit der Johann-Strauß-Paraphrase "Eine Nacht in Venedig" auf Schloss Laxenburg bereits eröffnet. Ebenfalls auf dem sommerlichen Spielplan: Komödien-Expertin Vicki Schubert inszeniert im Filmhof Wein4tel in Asparn-Zaya ("Der Hofnarr"), in Amstetten bürgt das Erfolgsduo Werner Sobotka (Regie) und Ramesh Nair (Choreograf) beim Musical "Xanadu" für Entertainment der eher leichten Sorte; dazu kommen Klassiker, "Falstaff" nach Shakespeare auf der Rosenburg, Nestroy in Schwechat und Reichenau.

Elisabeth Flechl und Sebastian Reinthaller in "Die schöne Helena", Bühne Baden; Dshamilja Kaiser, Talia Or, Sarah Tuleweit in "Die lustigen Weiber von Windsor", Oper Klosterneuburg. M. Hesz, L. Beck, M. G. Ortiz
Elisabeth Flechl und Sebastian Reinthaller in "Die schöne Helena", Bühne Baden; Dshamilja Kaiser, Talia Or, Sarah Tuleweit in "Die lustigen Weiber von Windsor", Oper Klosterneuburg. M. Hesz, L. Beck, M. G. Ortiz

Zu sehen sind aber auch kritische Aufarbeitungen. Intendant Gregor Bloéb beendet seine Ära in Haag mit Felix Mitterers Drama "Jägerstätter" - das Stück über Leben und Sterben des NS-Wehrdienst-Verweigerers wird in Zusammenarbeit mit dem Theater in der Josefstadt umgesetzt. Im kommenden Jahr wird Christoph Wagner-Trenkwitz den Haager Theatersommer übernehmen. Barbara Bissmeier beendet 2013 mit Gogols altersloser Komödie "Der Revisor" ebenfalls ihre Intendanz in Perchtoldsdorf: Regisseur Michael Sturminger folgt ihr nach.

Die Geheimformel des Sommertheaters


Die ökonomische und gesellschaftliche Relevanz des sommerlich leichten Spiels war keineswegs vorhersehbar. In den 1950er und 60er Jahren fand auf den Provinz-Bühnen reduziertes Theater statt, in den 1970er und 80er Jahre kam es zu Gründungswellen im Dienst der Dorferneuerung.

Inzwischen ist Sommertheater in Niederösterreich zu einem veritablen Wirtschaftsfaktor avanciert, der jährlich rund 1400 Arbeitsplätze sichert. 2012 sammelten sich Produktionskosten im Umfang von 10,2 Millionen Euro an, durch Kartenverkäufe wurden rund acht Millionen eingespielt; das Land Niederösterreich stellte 2,55 Millionen Subvention zur Verfügung. In Reichenau ist Anfang jeden Jahres ein Run auf die Karten feststellbar: Dem Intendantenpaar Loidolt werden die Billets förmlich aus der Hand gerissen.