Alle Jahre wieder, doch heuer noch ein Alzerl bravouröser, noch pompöser: Das Wiener Staatsballett erwies am Wochenende mit seiner jährlichen "Nurejew Gala" zum Saisonabschluss dem Jahrhunderttänzer seine Reverenz. Ein vierstündiger Ballettabend, der Rudolf Nurejew zu seinem diesjährigen 75. Geburtstag und 20. Todestag huldigt und der aus diesem Anlass schon vorab angekündigt wurde als der alles bisher Gesehene Übertrumpfende. Auch mag dies an dem von Jahr zu Jahr wahrnehmbaren Qualitätssprung des Ensembles liegen, der zweifellos auf Manuel Legris’ Direktion zurückzuführen ist. Seinem Mentor Nurejew widmet Legris nicht nur die Gala, auch im Spielplan ist der Star des Wiener Publikums omnipräsent. Und doch bietet die jährliche Leistungsschau des Wiener Staatsballetts wieder Erquickendes: ein breites Spektrum an unterschiedlichen Stilen - von archiviert traditionell über neoklassisch bis modern, von technisch kühl bis emotional mitreißend.

Kühl bis leidenschaftlich

Neben Nurejews Choreografien zu Klassikern der Tanzhistorie wie "Dornröschen", "Schwanensee" und "Raymonda" zeigte das Ensemble auch Paraderollen des Startänzers: etwa Agrippina Waganowas "Diana und Aktäon" oder George Balanchines "Apollo" plus zwei Werke von John Neumeier - "Vaslaw" und "Sylvia" - sowie Ausschnitte aus "La Sylphide" und "Mayerling". Legris weiß seine Solisten in Szene zu setzen: Die zarte Maria Yakovleva zeigt in Ausschnitten aus "La Sylphide" und "Dornröschen" technische Qualität sowie Stilsicherheit - ihr Partner Masayu Kimoto als James selbstsichere, federleichte Beinarbeit mit schierer Freude am Tanz.

Auch Olga Esina demonstriert einmal mehr ihre kühle Perfektion: Als Raymonda und an der Seite von Roman Lazik in "Apollo" bringt sie Tanztechnik scheinbar mühelos gepaart mit großer Geste.

Emotional hingegen wird es dann in "Mayerling" mit der wunderschönen Irina Tsymbal, die mit Kirill Kourlaev um den Tod ringt. Und auch Legris berührt: Er holte sich als einzigen Gast dieser Gala seine Ex-Partnerin von der Pariser Oper, Étoile Aurélie Dupont, für ihr spätes Staatsopern-Debüt im packenden und leidenschaftlichen Pas de deux aus "Sylvia". Weniger berauschend war Laziks Apollo, der, seines Auftretens bewusst, doch weniger Führer als Spielball seiner Musen war. Erfreulich ist auch, dass das Orchester nun als Fixum gesehen wird - das Tonband hat zumindest in der Staatsoper ausgedient. Kevin Rhodes leitet tanzadäquat sein Ensemble, Pianist Igor Zapravdin unterstreicht in "Vaslaw" Neumeiers Geschmeidigkeit der Choreografie, die Denys Cherevychko umsetzt.