(pat) Er ist bekannt wie ein bunter Hund: Frank Castorf, 62, gilt als einer der wichtigsten Theatermacher, er arbeitete in Berlin, Wien, Zürich, Salzburg, seine Inszenierungen sind in Südamerika so gefeiert worden wie in Serbien. Zugleich ist er verschrien als Stückezertrümmerer, Theaterwüterich, ewiger Rebell. Wer ist der Theatermann, der nun erstmals in Bayreuth inszeniert? Geboren ist er 1951 in Ostberlin, sein Vater war Eisenwarenhändler. Als junger Regisseur stand er, der Legende nach, unter Stasi-Beobachtung, dennoch legten die wilden Inszenierungen in der DDR-Provinz den Grundstock für seine Theatersprache, die über Entgrenzung und Exzess funktioniert. Seit 1992 leitet Castorf die Berliner Volksbühne. Was nach der Wiedervereinigung an ostdeutscher Wut und Trauer hochkam, wurde an seiner Bühne rausgebrüllt, fand eine ästhetisch-politische Form. Damals war Castorf Berlins ungekrönter Theaterkönig. Seine Inszenierungen, häufig Romanbearbeitungen etwa von Dostojewski, waren lange, anstrengende, aber auch sensationell aufregende, bahnbrechende Theatererlebnisse. In den vergangenen Jahren wurde zunehmend Kritik an Castorf laut, sein Volksbühnen-Modell habe sich totgelaufen. Gleichwohl hat man ihm jeden denkbaren Theaterpreis verliehen. Am 26. Juli feiert nun sein "Ring" in Bayreuth Premiere, besonders viel Opernerfahrung hat Castorf nicht - dafür Nerven aus Stahl.

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