Perfekt als Johanna: Juliane Banse. - © Susi Knoll
Perfekt als Johanna: Juliane Banse. - © Susi Knoll

70 Jahre ist es her, dass der aus Frankfurt stammende, 1954 verstorbene Walter Braunfels seine Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna am Bodensee vollendete. Dorthin hatte er sich in die innere Emigration zurückgezogen, nachdem er von den nationalsozialistischen Machthabern als Halbjude seines Amtes als Rektor der Kölner Musikhochschule enthoben worden war, und seine Werke als "entartete Musik" von den Spielplänen verschwunden waren. "Jeanne d’Arc" erlebte erst 2001 ihre konzertante Uraufführung, die auch auf Tonträger bei DECCA festgehalten ist.

Am Donnerstag fand das Werk endlich den Weg auf die Salzburger Festspielbühnen, denn es ließ sich thematisch mit Friedrich
von Schillers "Jungfrau von Orleans" und Giuseppe Verdis "Giovanna d’Arco" zu einer Trilogie vereinen.

Braunfels verbindet geschickt die politische Handlung und den Gedanken einer weiblichen Passion, womit "Jeanne d’Arc" auch zu einem zentralen Baustein der Ouverture spirituelle wurde.

Wie schon die Uraufführung, wurde auch die Salzburger Erstaufführung von zwei Persönlichkeiten geprägt: Juliane Banse in der Titelrolle und Manfred Honeck. Unter seiner Stabführung brachte das ORF-Radio-Symphonieorchester die reiche Orchesterpartitur, angesiedelt zwischen Pfitzner und Zimmermann, mit ihren impressionistischen Anklängen in der Felsenreitschule wunderbar zum Leuchten. Diese bot für das groß besetzte Werk im Übrigen den idealen Raum, ließen sich zum Beispiel auch die Ferntrompeten in der obersten Arkadenreihe platzieren. Der Kinderchor der Salzburger Festspiele und des Landestheaters (Einstudierung: Wolfgang Götz) füllte den Raum mühelos aus dem Off. In bestechender Form präsentierte sich der Salzburger Bachchor (Einstudierung: Alois Glassner).

Juliane Banse hat sich die Rolle der Heiligen und Ketzerin vollkommen zu eigen gemacht und ließ in ihrem gut gestützten musikalischen Vortrag, mit dem Standvermögen und der Leuchtkraft ihres Soprans sowie dank ihres einzigartigen stimmlichen Engagements vergessen, dass man "nur" einer konzertanten Aufführung beiwohnte.

Um sie herum gruppierte sich ein exquisites Ensemble: Johan Reuter als differenzierter Gilles de Rais, Ruben Drole als zynischer Herzog von La Trémouille, Bryan Hymel als heldischer Heiliger Michael mit vertrackter Tessitura, Pavol Breslik als schönstimmiger König Karl und Norbert Ernst als Schäfer Colin.

Der Abend war ohne Zweifel ein früher, begeistert akklamierter Höhepunkt der zweiten Pereira-Saison. Nur: Wer, wenn nicht Festspiele, sollen solche Randwerke des Repertoires noch szenisch aufführen?