Angela Gheorghiu stellt eine künstlerische Grundhaltung über Geldfragen. - © Robert Newald
Angela Gheorghiu stellt eine künstlerische Grundhaltung über Geldfragen. - © Robert Newald

Wien. In der kommenden Saison ist Angela Gheorghiu in Wien so präsent wie schon lange nicht. Die Sopranistin, die die Bezeichnung "Diva" ebenso gelassen hinnimmt wie einen zweiten Vornahmen, wird nicht nur den Opernstar-Reigen "Greatest Voices" im Konzerthaus eröffnen, sondern auch in gleich zwei Puccini-Rollen auf der Staatsopern-Bühne stehen: als Mimi und - schon am 5. September - als Floria Tosca. Auf die Frage, wie sie Toscas Charakter beschreiben würde, antwortet die gebürtige Rumänin kurz und bündig: "Schauen Sie mich an - ich bin Tosca!" Sich selbst zu spielen sei ganz einfach: "Sie ist Opernsängerin, ich bin Opernsängerin. In der Geschichte ist sie die Diva schlechthin, alle kennen und bewundern sie."

"Ein Gounod ist schlauer als ein Holender"


Besonders geehrt fühlt sich Gheorghiu jedoch dadurch, dass Puccini die Arie "Vissi d’arte" der rumänischen Sopranistin Hariclea Darclée auf den Leib schrieb. "Eine der schönsten Sopran-Arien", schwärmt ihre Kollegin. Darüber hinaus könne der Text als Lebenslauf jeder Sopranistin gelesen werden: "Wenn ich diese Arie singe, erzähle ich von mir selbst. Sie ist meine Hymne."

So ganz kann sich die 47-Jährige trotzdem nicht mit der tragischen Heldin identifizieren, denn: "Ich bin kein schlechter Mensch, ich könnte niemanden umbringen."

Was aber noch lange nicht heißt, dass sie es jedem recht machen muss: An der Wiener Staatsoper, einer der ersten Etappen in ihrer steilen Karriere, war sie über Jahre hinweg ein eher spärlicher Gast. Mit seinem Wunsch, sie als Ensemblemitglied zu gewinnen, habe Alt-Direktor Ioan Holender bei ihr auf Granit gebissen: "Bei meinem Niveau war es für mich nie eine Option, Teil dieses Ensembles zu werden. Holenders Politik bestand darin, osteuropäische Sänger für lächerliche Summen zu engagieren. Ich habe zu ihm gesagt: Nein, Schätzchen, eine solche Sängerin bin ich nicht."

Dass ihr Name im aktuellen Spielplan des Hauses öfter aufscheint, sei zur Gänze Dominique Meyer zu verdanken. Wichtiger als Geldfragen sei dabei eine künstlerische Grundhaltung, die ihren Vorstellungen entspreche. Nicht dazu zählen jedenfalls aktualisierende Deutungen von Repertoire-Opern - kurz das, was gemeinhin unter dem Schlagwort "Regietheater" subsumiert wird: "Ich möchte ,Roméo et Juliette‘ nun mal nicht in Jeans singen. Ich kann gerne in einer Rock-Oper auftreten, von mir aus auch im Badeanzug, aber zerstört mir bitte kein Genie. Man muss akzeptieren, dass in Bezug auf diese Oper ein Shakespeare oder ein Gounod schlauer ist als ein Holender!"