Dass es nicht die ganz feine Klinge werden wird, das macht Matthias Hartmanns Inszenierung von "Lumpazivagabundus" schon in den ersten Sekunden klar: Da wird in wildem Lichtgeflimmer "1, 2, 3, 4 - Nestroy!" geschrien, begleitet von death-metallischen Klängen bis kurz vor der Schmerzgrenze. Das weist gleich darauf hin, was am Ende das Beste dieses Theaterabends gewesen sein wird: die Musik von Karsten Riedel, die klingt, als hätte man einen Heurigen in einen Club versetzt. Da klingt er sehr modern, dieser Nestroy, der von den Salzburger Festspielen an das Wiener Burgtheater übersiedelt ist und der sich mit allerlei Popzitaten schmückt - nicht immer gelungen.

Dieser "Lumpazivagabundus" ist ein veritables Starvehikel: Michael Maertens spielt einen zeznhaften, uncharmant anhabigen Schneider Zwirn, Florian Teichtmeister persifliert als Tischler Leim mit Ernst das Tüchtigkeitsgebot und Nicholas Ofczarek ist ein Schuster Knieriem abseits vom Knallchargen-Säufer, der die Grenze zwischen Liederlichkeit und Suchtkrankheit kraftvoll sprengt. Max Mayer ist ein mephistoider Lumpazivagabundus in Damenschuh und Herrenunterhose. Große Spielfreude auch bei Mavie Hörbiger, Stefanie Dvorak und Branko Samarovski in ihren Mehrfachrollen. Aber Maria Happel schlägt sie an Wendigkeit, wobei sie die meisten Lacher als Merkel-Parodie Fortuna, die das Geld über alle ausschüttet, auf der Seite hat. Letzteres ein Beispiel dafür, dass mancher Scherz ein wenig billig gerät - insgesamt drei kurzweilige Stunden in lustig bunt mit den Burgtheaterstars - das reicht schon vielen.

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Der böse Geist Lumpazivagabundus

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