Das wilde Spektakel, das man vom Cirque du Soleil kennt, beginnt diesmal etwas später. - © Matt Beard
Das wilde Spektakel, das man vom Cirque du Soleil kennt, beginnt diesmal etwas später. - © Matt Beard

Am Anfang ist es eigentlich mehr Ballett als Zirkus. Ein Mädchen tänzelt über die Bühne, seine teilnahmslosen Eltern fliegen irgendwann weg, und die junge Dame, die vor Wut schäumt und deren Welt jegliche Bedeutung verloren hat, zerstört selbige durch ihren Verdruss und findet sich wieder im Universum von "Quidam", wo sie einen fröhlichen Begleiter und einen weiteren, mysteriösen Typen trifft. Inhaltlich ist das neue Programm "Quidam" typisch Cirque du Soleil: Das Publikum wird in eine Traumwelt entführt, die nach und nach aufgebaut wird. Das dauert allerdings seine Zeit, und so nimmt das Programm erst kurz vor der Pause an Fahrt auf - die behält es dafür den ganzen zweiten Teil über.

Auch das ist dann typisch Cirque du Soleil: Luftakrobatik, bei der gefühlt die gesamte Halle den Atem anhält. Oder ein Paar, das halbnackt aneinander klebt, in Positionen, in denen das physikalisch eigentlich gar nicht möglich scheint. Dazu eine Clownerie, die viele Zuschauer tatsächlich Tränen lachen lässt. Und natürlich nicht zu vergessen die knalligen Kostüme, die beim Cirque du Soleil einfach nicht fehlen dürfen. Wer nach der etwas LED-überlasteten "Michael Jackson Immortal Tour" im vorigen Dezember etwas enttäuscht war vom kanadischen Zirkusprojekt, wird jetzt bei "Quidam" umso heftiger versöhnt.

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Fast schon zu viel des Guten


Denn die Macher des Cirque du Soleil haben sich nicht lumpen lassen und schicken ins Feld, was nur geht. Manchmal übertreiben sie bei dem Zirkus, den sie da veranstalten, schon fast: Da tummeln sich dann nämlich so viele Akrobaten auf der großen Bühne, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll.

Und dieser bunte Trubel wird zum Teil von Live-Musik begleitet, bei der ein sehr ambitionierter Schlagzeuger sein Gerät hinter der Glaswand dermaßen drischt, dass es richtig laut wird in der Halle. Ohrenbetäubend sozusagen. Aber das passt irgendwie zum Gesamtkonzept, das alle Sinne dermaßen reizt, dass man am Ende fast sicher ist, nicht alles mitbekommen zu haben, was da an großartiger Artistik serviert wurde in diesem bunten Kaleidoskop, das sich Cirque du Soleil nennt.