Augenweide: dreifache Sphinx auf Amphoren. - © Jean-Claude Carbonne
Augenweide: dreifache Sphinx auf Amphoren. - © Jean-Claude Carbonne

Die Geschichten aus "Tausendundeine Nacht" haben Angelin Preljocaj zu "Les Nuits" inspiriert. Doch ein vertanztes Märchen rund um Scheherazades Zauber darf man sich von dem renommierten französischen Choreografen erst gar nicht erwarten. Vielmehr stehen Sinnlichkeit und Erotik im Vordergrund, wenn er Orient und Okzident in berauschenden Bildern vereint. Auch wenn diese oft eher revueartig vorbeiziehen: Sinnlich rekeln sich da die Tänzerinnen im maurischen Bad, bis sie jäh von maskierten Männern brutal aus ihrer Idylle gerissen und verjagt werden. Kurz darauf stehen diese Frauen im roten, kurzen Kleid mit wippenden Pajettenröckchen (vom Modeschöpfer Azzedine Alaïa, einem Star der Haute Couture) selbstbewusst ihren Mann. Schluss. Nächste Szene. Später versuchen dann die Tänzer à la Chippendales zu "It’s A Man’s World" die Sinne zu reizen, ein nackter Frauentorso vollführt einen beeindruckenden Schlangentanz, Shisha-Pfeifen werden zu Phallussymbolen - ästhetisch sexuelle Anspielungen begleiten durch den ganzen Abend, eingebettet in die multiethnische Musik der belgischen Sängerin Natacha Atlas und dem ägyptischen Musiker Samy Bishai.

Opulent, aber minimalistisch


Die Suche nach dem roten Faden ist ein zum Scheitern verurteiltes Projekt. Besser ist, man gibt sich den einprägsamen Bildern hin und lässt diese für sich wirken. Opulent, obwohl minimalistisch inszeniert, zeigen hier die Performer eine außergewöhnliche Synchronität in einem unerschöpflichen Schrittrepertoire, das viele unterschiedliche Tanzstile erkennen lässt. Fast militärische Präzision verlangt Preljocaj von seinen Darstellern, denn seine Choreografie basiert auf Gleichklang und Spiegelung. Schade ist, dass dieses aufwendige Werk eine Aneinanderreihung von Szenen ist, die zwar gemeinsame Themen verbinden - die Rolle der Frau in der Gesellschaft, Liebe, Sex, Erotik und alles, was man noch damit verbinden kann - doch keine Charaktere zulässt. Die Tänzer sind Ausübende ohne Tiefgang.

Nichtsdestotrotz beeindruckt Preljocaj das prominente Publikum aus Politik und Kultur zur Saisoneröffnung des Festspielhauses St. Pölten unter der neuen Intendanz von Brigitte Fürle.

Performance

Les Nuits

Von Angelin Preljocaj

Ballet Preljocaj

Festspielhaus St. Pölten