Ein Abend der Gegensätze: erdig im Reich der Tiere versus luftig im Morgenland - oder auch modernes versus neoklassisches Bewegungsmaterial, das oft mit gebeugten Knien auf Spitzentanz trifft. Das erste: "Das hässliche Entlein" von Andrey Kaydanovskiy, das andere: "Tausendundeine Nacht" von Vesna Orlic. Beides verbindet die verzaubernde Tänzerin Rebbecca Horner - zuerst als Mutter des hässlichen Entleins, später als Prinzessin Budur - und die kindergerechte Inszenierung (ab sechs Jahren).

Staatsballett-Chef Manuel Legris ist der Zusehernachwuchs ebenso wichtig wie die Förderung seiner Jungchoreografen. Beides zu verknüpfen, gelingt ihm in der Tanzproduktion "Märchenwelt Ballett", die am Wochenende mit zwei Uraufführungen in der Volksoper Premiere feierte. Andrey Kaydanovskiy ist der junge Choreograf des "Hässlichen Entleins", dessen Handlung rund um das Coming-of-Age in Ravels Orchestrierung von Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" eingebettet ist. Grundsätzlich passend und innovativ, wäre da nicht Dirigent Guido Mancusi, dem es einmal mehr nicht gelingt, das Orchester der Volksoper in seinem Enthusiasmus zu bremsen. Da lenken leider auch entzückende, staksige Küken in flauschigen gelben Tütüs, ein grauslicher Truthahn oder die leichtlebigen High-Society-Schwäne nur bedingt ab. Wenn dann das naive, weltverlorene Entlein (László Benedek) in Kaydanovskiys erdiger, im Boden verwurzelter, aber doch fließender Tanzsprache zum Schwan wird, bebt die Volksoper unter der Klangwucht.

Orientalische Neoklassik


Gemäßigter erklingt dann Nikolai Rimski-Korsakows "Scheherazade": Ballettmeisterin und Choreografin Vesna Orlic nennt ihre Inszenierung rund um die Geschichte Aladins und seiner Prinzessin "Tausendundeine Nacht". In neoklassischem Tanzstil auf Spitze und mit Betonung von orientalischen Armbewegungen bringt sie ihr Ensemble zu Höchstleistungen. Keine Schonzeit für das Männerballett, das in den Kampfszenen doch, freilich fast unmerklich, um seine Kondition ringt. Entzückende Haremsdamen und natürlich ein wahrhaftiger Bösling (beeindruckend: Samuel Colombert) dürfen hier genauso wenig fehlen wie der grüne Flaschengeist, der als Erzähler (Boris Eder) den Kleinsten die Geschichte näherbringt. Letztlich rettet er die Prinzessin und bringt sie auf seinem fliegenden Teppich zu dem technisch starken, aber darstellerisch armen Aladin (Felipe Viveira) - Teppichstarterkabel bitte nicht an der Garderobe abgeben!