Auch auf Computerscreens demnächst zu hören: Mezzosopran Sophie Koch. - © Staatsoper/Pöhn
Auch auf Computerscreens demnächst zu hören: Mezzosopran Sophie Koch. - © Staatsoper/Pöhn

Wien. Die Eltern wird’s freuen. Wenn Sophie Koch am Sonntag wieder einmal als silbriger Rosenkavalier auftritt, funkelt sie nicht nur für die Besucher der Wiener Staatsoper. Mit der Aufführung startet ein von langer Hand geplantes Projekt: Erstmals überträgt die Staatsoper einen Abend live ins Internet - und damit auch auf den Bildschirm von Kochs Eltern. "Wird schön für sie", sagt die Sängerin mit dem nur scheinbar vertrauten Namen: Tatsächlich stammt sie aus Frankreich.

Für Wiens Opernfans ist sie freilich eine alte Bekannte: Direktor Ioan Holender hatte ihr 1999 eine erste Chance gegeben, seither sang sie sich durch ein Repertoire von Mozart bis zur Moderne, steht seit mittlerweile 14 Jahren immer wieder als Octavian auf der "Rosenkavalier"-Bühne. Wobei der wahre Veteran da natürlich die Produktion selbst ist. Wüsste man es nicht besser, wäre die rüstige Otto-Schenk-Regie wohl längst ein Fall für die Radiocarbon-Methode. Was sagt Koch zu diesen opulenten Bildern von 1968? "Sehr traditionell, aber das passt wunderbar zu dem Stück."

"Den Zoom akzeptieren"


Am Sonntag wird Koch dort von modernen Fremdkörpern bespitzelt: Acht adleräugige HD-Kameras prangen neuerdings im Haus. Fühlt man sich da nicht irgendwie - nun ja, beobachtet? Koch: "Es ist wie bei einer DVD-Aufnahme, die gleiche Verantwortung, der gleiche Druck." Dass sie nicht unbedingt ein Fan von Großaufnahmen ist, leuchtet ein: Ein von Sangesstrapazen gezeichnetes Gesicht bietet nicht den erquicklichsten Anblick. Aber, sagt Koch: "Die Leute zuhause freut es."

Ob sie selbst Streaming-Angebote nützt? Die hätten ihr Für und Wider. Stichwort YouTube: "Unglaublich, was man da findet!" Andererseits: Auch Koch hat sich schon über unverhoffte Clips im Internet geärgert. Ob sie die Geschichte vom polnischen Pianisten Krystian Zimerman kennt, der ein Konzert wegen einer illegalen Smartphone-Aufnahme unterbrach? Nein, aber ihr kam etwas Ähnliches zu Ohren: "Renée Fleming hat mir neulich erzählt, dass sie in einer Vorstellung, in Asien glaube ich, mit dem iPad von den Leuten gefilmt worden ist." Die Künstler, fürchtet Koch, verlieren die Kontrolle über ihre Bilder; und ein Interessensausgleich sei im Zeitalter der allzeit zückbaren Kameras nicht leicht herzustellen. Koch: "Wo ist die Grenze zwischen eigener Freiheit, Verantwortung und Rechten? Es ist schwer, das abzugrenzen."

Freilich: Als sichere Verdienstquelle bleibt die Opernbühne, und da geht der sympathischen Französin auch in Zukunft nicht die Arbeit aus: Viel französisches Repertoire steht auf ihrer Agenda, etwa der "Faust" von Berlioz, oder "Werther" an der New Yorker Met - eine Aufführung, die übrigens auch ins Kino übertragen wird. Also mit der ganz großen Großaufnahme. Trotzdem, sagt Koch: "Man muss diesen Zoom akzeptieren. Man muss mit der Zeit gehen." Ein Trost vielleicht: Der Staatsopern-Stream wird ihr singendes Gesicht nicht gar so groß aufblasen. Und wie gesagt: Die Eltern haben am fernen "Rosenkavalier" ihre Freud.

Live-Stream

Am Sonntag startet die Staatsoper ihr Live-Streaming mit einer Übertragung des "Rosenkavaliers". Bis Saisonende sollen 17 Aufführungen im Internet zu sehen sein; pro Oper sind 14 Euro zu zahlen. Gesendet wird in HD-Qualität und zwei Perspektiven: Das Publikum kann zwischen einer Totalen und einer regiebearbeiteten Fassung wählen. Zudem bietet die Staatsoper einen On-Demand-Bereich, in dem Aufzeichnungen abgerufen werden können.

www.staatsoper.at