Wer in diese Maschine steigt und sich ihrem rasenden Geflacker stellen will, wird scheitern: Kein Anbrüllen, kein Verzerren der Mimik bis zum Äußersten, nicht die totale Anspannung aller Gliedmaßen kommen gegen das um sich selbst kreisende Rund an, das, den vorfilmischen "Zoopraxiskopen" - runde Apparaturen zur Simulation einer Bewegung aus Einzelbildern - ähnlich, im gleichen Maße aus durchlässigen Schlitzen wie undurchlässigen Wänden besteht. In diese "Normarena", diese Zentrifuge aus Licht, Projektionen und ständiger Bewegung, begibt sich Max Mayer in der Rolle eines namenlosen Menschen, um sich selbst und jene Konventionen, die ihn formen, zu durchbrechen und folglich von außen zu betrachten.

Beeindruckende Apparatur


Der bildende Künstler Jan Machacek entwarf für seine Performance "Normarena" im brut Konzerthaus die beeindruckende Apparatur, die er im Zusammenspiel mit Mensch, passgenau ausgerichteten Projektionen, Stroboskoplicht, Livemusik und Geräuschen in Szene setzt. Höhepunkt des nur 35 Minuten langen Abends ist ein beinahe hypnotische Kräfte entwickelnder Grenzgang, in dem Max Mayer unter Einsatz seines gesamten Körpers bis zum Äußersten geht: Beinahe melodisch zerlegt er seinen Text in seine einzelnen Silben, lässt die Töne durch die vorbeirasenden Schlitze der Apparatur in der Luft vibrieren, während sein Blick die Grenze zum Wahnsinn streift (wie wohl auch der Versuch, aus sich selbst auszubrechen, dieser Grenze gefährlich nahe käme). Das Unterfangen, natürlich, scheitert, der Akteur verlässt am Ende wieder, schweißüberströmt und sichtlich - nicht nur gespielt - desorientiert und erschöpft, die Arena. Die sinnliche Erfahrung jedoch gelingt - wenn auch an der einen oder anderen Stelle der dramaturgische Bogen des teils sehr abrupt die Stimmung wechselnden Abends ein wenig geschickter hätte gespannt werden können.

Performance

Normarena

Von Jan Machacek

brut im Konzerthaus

Wh.: 8., 11. und 12. November