Wien. Die Welt ist eine Bühne, der Mensch will betrogen sein. Es gibt eine Märchenfigur, die dieses riskante Spiel besonders gut beherrscht: der gestiefelte Kater. Listig und witzig verhilft das Tier einem armen Müllerburschen zu Schloss und Prinzessin. Wie es dem Kater gelingt, auf der Klaviatur der menschlichen Eigenschaften und Leidenschaften zu spielen, davon handelt eines der bekanntesten Märchen der Brüder Grimm. Es gibt davon zahlreiche Bühnen- und Filmadaptionen, am kommenden Sonntag (1. Dezember) feiert das Märchen nun Premiere im Akademietheater. Als Kater ist Markus Meyer zu sehen, Regie führt Annette Raffalt.

Regisseurin Annette Raffalt.
Regisseurin Annette Raffalt.

"Das Märchen handelt von zwei sehr unterschiedlichen Charakteren", sagt die Regisseurin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Wir wollen Mut machen, dass man das Leben als Chance begreift, nicht resigniert, sondern die Macht der Fantasie erkennt."

Nach Klassikern der Kinderliteratur wie "Der Zauber von Oz", "Peter Pan" und "In 80 Tagen um die Welt" ist "Der gestiefelte Kater" das nunmehr sechste Familienstück für ein Publikum ab sieben Jahren, das Annette Raffalt herausbringt. "Ich finde die Figuren in den Klassikern besonders mitreißend und stark, es sind Geschichten, die man auf viele Lebenslagen anwenden kann. Außerdem macht es Spaß, die bekannten Stoffe immer wieder neu zu erzählen", so Raffalt. "Was aber nicht heißt, dass ich etwas gegen neue Kinder- und Jugendliteratur habe." Bei der szenischen Umsetzung lässt die Theatermacherin und bald fünffache Oma es auf der Bühne gern richtig krachen: Von Pyrotechnik über Wind- und Nebelmaschinen bis hin zu wilden Tanzeinlagen entfacht sie einen üppigen Bilderreigen. Raffalt: "Am Burgtheater muss schon was passieren, um 1200 Kinder in Atem zu halten."

"Geschichten für alle Lebenslagen": Marcus Kiepe und Markus Meyer (v.l.) spielen in "Der gestiefelte Kater" für Kinder ab sieben auf der Klaviatur der menschlichen Leidenschaften. Reinhard Werner
"Geschichten für alle Lebenslagen": Marcus Kiepe und Markus Meyer (v.l.) spielen in "Der gestiefelte Kater" für Kinder ab sieben auf der Klaviatur der menschlichen Leidenschaften. Reinhard Werner

Das jährliche Familienstück ist Teil eines weitaus größeren Angebots für Kinder und Jugendliche am Burgtheater. Unter dem Label "Junge Burg" haben Annette und Peter Raffalt seit Beginn der Direktion von Matthias Hartmann 2009 vielfältige theaterpädagogische Aktivitäten aufgebaut. Hartmanns Schwester und Schwager haben das Jugendprogramm für den Theatermacher bereits in Bochum und Zürich verantwortet.

Blick hinter die Kulissen

"Wir haben Angebote für Jugendliche, die neugierig aufs Theater sind, intensiver hinter die Kulissen blicken und selbst etwas tun wollen." Neben Backstageführungen, Workshops und Theater-Clubs - hier geht es vor allem um Rollenspiele - sowie speziellen Angeboten für Schulen - dazu gehören etwa nachbereitende Gespräche, die Kenntnisse für das Theater-Verstehen vermitteln -, bietet die Junge Burg auch ein "Theater-Jahr" an.

Das einjährige Praktikum am Burgtheater richtet sich an Schulabsolventen, die am Theater arbeiten wollen. Es ist ein Orientierungsjahr, bei dem die Teilnehmer Einblicke in den Arbeitsalltag des Burgtheaters gewinnen, kleine Rollen übernehmen, als Hospitanten tätig sind und sogar unterrichtet werden.

Jeden letzten Samstag im Monat findet das Open-Stage-Format SchauSpielBar statt, hier können Nachwuchskünstler im Kinder- und Jugendalter ohne Voranmeldung spontane Auftritte als Standup-Comedian, Rapper, Schauspieler oder Musiker hinlegen. Die SchauSpielBar ist regelmäßig gut besucht. Rund 2000 Kinder und Jugendliche haben im Vorjahr an den Aktivitäten der "Jungen Burg" teilgenommen.

Raffalt: "Da ich mit Jugendlichen und für Kinder arbeiten darf, bin ich mit dem offenen Denken, der Frische und der Neugier der jungen Leute konfrontiert. Das bewahrt mich vielleicht davor, selbst in allzu eingefahrenen Bahnen zu denken."