Japanischer Ausstattungskitsch: Katharina Abel als Japanerin in "Die Puppenfee" im Wiener Hofoperntheater, 1888. - © Theatermuseum
Japanischer Ausstattungskitsch: Katharina Abel als Japanerin in "Die Puppenfee" im Wiener Hofoperntheater, 1888. - © Theatermuseum

Japan sei nicht nur anders, sondern anders anders, meinte der niederländische Schriftsteller und Japan-Kenner Cees Nooteboom. Wie vollkommen anders das japanische Theater funktioniert, davon kann man sich in der jüngsten Ausstellung des Theatermuseums ein Bild machen.

Die Schau "Im Rausch der Kirschblüten. Japonismus auf der Bühne" führt anhand von erstaunlichen Fotos - etwa der k.u.k-Mission nach Ostasien anno 1868 - sowie beeindruckenden Zeichnungen und Masken, die zum Großteil aus der Sammlung des Museums stammen, in das szenische Spiel von Nô und Kabuki ein.

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Nippons Geheimnis


Das klassische lyrische Nô-Drama lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen, verbindet Tanz, Gesang und Musik und ist für seine dekorativen Masken und Kostüme bekannt. Nô gilt als höfische Kunstform, es ist das Bühnenspiel der Samurai, tief geprägt von der buddhistischen Lehre. Kabuki hingegen ist das Theater des Bürgertums. Es entsteht im 17. Jahrhundert, bedient sich der mythologischen Gestalten des Nô, ist aber säkular und viel weniger formell als das ältere Vorbild.

In einem wesentlichen Punkt unterscheiden sich beide fernöstliche Spielformen fundamental vom Theater der westlichen Hemisphäre: in der Stilisierung. Auf westlichen Bühnen geht es um eine möglichst realistische Abbildung der Welt. Die Schauspieler sind üblicherweise angehalten, eine Figur psychologisch zu durchdringen. Diese Form der Virtuosität wäre für einen traditionellen japanischen Bühnenkünstler vollkommen absurd. Ein Nô- oder Kabuki-Spieler wird dafür gefeiert, überlieferte Bewegungsabläufe möglichst exakt wiederzugeben. Die große Kunst zeigt sich hier in kleinsten Details - bis hin zur korrekten Haltung des kleinen Fingers.

Um 1900, als es auf den Weltausstellungen in London, Wien und Paris zu einer neuerlichen Annäherung mit Japan kam, wurde die europäische Kulturelite von einer fernöstlichen Faszination infiziert. Unter dem Begriff "Japonismus" versteht man seitdem die eher oberflächliche Begeisterung für japanische Lebensform und Kunst. Das Theatermuseum greift diesen verklärten Blick auf und zeigt in einem zweiten Ausstellungsraum, wie sehr das legendäre Nippon das westliche Theater beeinflusste. Die Beispiele reichen von der Gilbert&Sullivan-Operette "Micado" (1880) bis hin zu Puccinis "Madama Butterfly" (1908).

Eine gelungene Schau, die den eurozentristischen Blick nicht nur des Fin de Siècle entlarvt.