Und dann dieser Morgenmantel. Der Geist des Komtur trägt ihn, wenn er Don Giovanni die Hölle heißmacht. Kaum die richtige Toilette, um bei einem Edelmann aufzutauchen, will man meinen - geschweige denn, um einen Sünder zum Teufel zu schicken. In diesem Aufzug schon eher ins Altersheim.

Genau diesen Weg könnte man der Regie von Jean-Louis Martinoty, seit 2010 an der Staatsoper zu sehen, mit allem Recht wünschen, wäre ihr altvaterisches Erscheinungsbild nicht elegant abgemildert: Statt klobiger Bühnenbauten wie anno dazumal sollen hier malerische Prospekte Lokalkolorit beschwören. Immerhin: Das stört nicht, ebenso wenig wie die meist bunten Kostüme in diesem konventionell abgespulten "Giovanni". Nur manchmal blitzt da ein Detail auf, dass so etwas wie Gestaltungswillen verrät - und leider irritiert. Details wie der Morgenmantel. Oder ein Sakko, das Masetto quasi zum Don Johnson der Opernbühne adelt. Und ein Ruderleiberl: Befüllt mit einem maskierten, vor allem aber muskulösen Adam Plachetka, weist es den Träger eher als Schwerverbrecher aus der Comicwelt denn als Schwerenöter aus.

Ein Hüftschwung-Demokrat


Diesen "Giovanni" hat die Staatsoper nun, in Mozarts Geburtsmonat, wieder aus dem Fundus geholt, die zwei anderen Werke des Da-Ponte-Zyklus gleich dazu. Martinoty-Festspiele wären es geworden, hätte Musikdirektor Franz Welser-Möst nicht 2011 die Reißleine gezogen: Sein Unwille, nach zwei (weitgehend) durchgefallenen Martinoty-Premieren eine dritte zu dirigieren, hat das Leben der alten De-Simone-"Così" verlängert.

Kann man stattdessen nun von Mozartfestwochen sprechen? Nun ja: Plachetka hat die Kraft, er erfreut die Damenwelt als emsiger Hüftschwung-Demokrat und außerdem mit einem Bassbariton, der bei aller Kernigkeit auch unverhoffte Legatobögen spannt. Meist bezwingend auch: der dramatische Biss, den Hibla Gerzmava für die Seelennöte der Donna Anna aufbringt. Malin Hartelius verleiht der Elvira daneben emphatische Töne (teils mit rauen Spitzen), Ileana Tonca (Zerlina) charmiert mit mildem Leuchten. In Summe ist es aber doch nur ein respektabler Abend, was ebenso mit einem sprechsingenden Masetto zu tun hat wie einem wackeren Komtur (Dan Paul Dumitrescu) - und einer fulminanten Fehlbesetzung. Rolando Villazón ist zwar (meist) Herr seiner Stimme, demoliert damit, weil chronisch im Puccini-Modus, aber leider "Dalla sua pace". Ganz anders Dirigent Alain Altinoglu: Er formt mit einem blendend disponierten Orchester einen delikat federnden Mozartsound.