• vom 22.01.2014, 15:42 Uhr

Bühne

Update: 22.01.2014, 17:46 Uhr

Interview

Wassermann und Jung-Ochs




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Von Christoph Irrgeher

  • Günther Groissböck über seine Rückkehr nach Wien, Rosenkavalier und Regietheater
  • Der Bass singt ab Sonntag in der neuen "Rusalka" an der Staatsoper.

Globetrotter mit klarem Ton: Günther Groissböck.

Globetrotter mit klarem Ton: Günther Groissböck.© Robert Newald Globetrotter mit klarem Ton: Günther Groissböck.© Robert Newald

Wien. Eigentlich kurios. Da trifft man einen waschechten Opernbass, und dann ist von der Donnerstimme nichts zu hören. Jedenfalls nicht im Interview. Günther Groissböck, vor 37 Jahren in Waidhofen an der Ybbs geboren, spricht lieber mit einem hellen, fast dünnen Tonfall. Dabei könnte er natürlich auch anders. "Wawawa!", dröhnt er sein Gegenüber kurz zum Beweis an und grinst: "Ich könnt’ mich auch so aufblasen. Aber ich versuche, mich im normalen Leben möglichst stimmschonend und unaufdringlich zu äußern. Es reicht mir, wenn ich drei Stunden auf der Bühne gepfeffert hab."


Warten, bis die Met anklopft
Seltsam auch, dass man dieses "Pfeffern" hier rund sechs Jahre kaum gehört hat, im Ausland aber sehr wohl. Groissböck - er hat übrigens nichts mit der gleichnamigen Bäckerei zu tun, außer dass er sich ihretwegen halblustige Sprüche anhören muss ("Hast kane Kipferl mit?") - hat international Karriere gemacht. 2002 begann er im Staatsopernensemble, wurde ein Jahr später von Alexander Pereira nach Zürich geholt. Bis zum Sprung in die Selbständigkeit sang er dort vier Jahre. "Ich hab immer gesagt: Wenn die Met das erste Mal anklopft, kann man freigehen. Das ist 2007 passiert." Es sollte nicht das einzige Ferngespräch bleiben. Bis heute hatte Groissböck Auftraggeber aus New York, Mailand, Paris, LosAngeles - nicht zu vergessen Bayreuth, wo seine klar konturierte Stimme die letzten vier Sommer ertönte.

Nun klingt sie auch in Österreich wieder, heuer sogar in drei Premieren. Den Anfang macht am Sonntag die neue "Rusalka" an der Staatsoper: Sven-Eric Bechtolf inszeniert das Märchenstück, der Dvořák-Spezialist Jiří Bělohlávek dirigiert. An der Seite von Krassimira Stoyanova (Rusalka) spielt Groissböck den Wassermann. Was die Rückkehr an die Staatsoper für ihn bedeutet? Vor allem eine Herausforderung. Die Leute, sagt er, kennen ihn aus einer Zeit, als er noch ein "Baby" war. "Jetzt musst du beweisen, dass du international zu Recht dort stehst, wo du stehst."

Die Beweisführung dürfte nicht allzu schwer fallen. Immerhin hat Groissböck auch als Wassermann viel Routine. Er hat diesen Unkenrufer, der Rusalka vergeblich vor einer Affäre mit einem Menschen warnt, bereits in zwei Produktionen gespielt. Jene aus München hat auch hierzulande Aufsehen erregt: Martin Kušej hatte die "Rusalka" in den Keller von Josef F. verlegt; die Nixe mutierte zum Inzestopfer, der Wassermann zum Täter. Ist Dvořáks Wassermann denn nicht ein Guter? Ja, sagt Groissböck, und so werde es auch in Bechtolfs Regie sein, die sich von der Originalhandlung nicht entferne. Dennoch sei Kušejs Arbeit toll gewesen. "Wir waren damals allemitgerissen, weil wir gespürt haben, dass er ein Thema reinnimmt, das dazupasst. Es war extrem heikel, aber es hat funktioniert - das war ein Maßstück für das moderne Regietheater."

Befürworter des Wagnisses
Wobei Groissböck nicht gern "Regietheater" sagt. Schließlich führen es meist die Gegner von wagemutigen Inszenierungen im Mund, und solchen Arbeiten steht er offen gegenüber. Ja, Groissböck verteidigt sogar den umstrittenen "Tannhäuser" von Bayreuth. Regisseur Sebastian Baumgarten hatte den Wagnerhelden vor einer Biogasanlage postiert, das Publikum explodierte. Groissböck, der seit der Premiere 2011 als Landgraf dabei war: "Über das Bühnenbild kann man diskutieren, aber handwerklich ist die Produktion gut."

Den nächsten Sommer wird der Sänger (der davor auch im neuen "Lohengrin" der Staatsoper auftritt) jedoch nicht am Grünen Hügel verbringen. Schuld ist abermals Alexander Pereira. Er konnte den 37-Jährigen für seinen letzten Sommer als Salzburg-Intendant gewinnen, und zwar für den Ochs in Richard Strauss’ "Rosenkavalier". Ist Groissböck nicht noch zu jung für diesen Bühnen-Schwerenöter? Mitnichten: Regisseur Harry Kupfer werde ein Klischee hinterfragen, an das auch der Rollendebütant Groissböck nicht glaubt: Der Ochs sei kein überwuzelter, dick-dreister Spaßvogel, sondern eher "eine Mischung aus Don Giovanni und Leporello, mit ein bisschen österreichischem Witz. Wenn alles gut geht, kreieren wir da etwas wirklich Neues und Feines." Und freilich auch etwas, das der Globetrotter Groissböck verwerten kann: Auftritte in Wien, München und New York sind schon paktiert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-01-22 15:47:04
Letzte Änderung am 2014-01-22 17:46:40


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