Wien. (pat) Seit Anfang des Jahres erlebt das Burgtheater die schlimmste interne Krise seit Jahrzehnten. Die Vize-Direktorin Silvia Stantejsky wurde entlassen, weil sie Transaktionen auf ihr privates Konto nicht aufklären konnte.

Bisher haben Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann und Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer die Entlassung mit dem Prinzip der Unverzüglichkeit begründet. Nun wehren sich Stantejsky und ihre Anwältin Isabell Lichtenstrasser erstmals öffentlich: Es liege kein Entlassungsgrund vor, da es sich bis jetzt lediglich um Ungereimtheiten handle, die noch untersucht werden. Daher hätte das Burgtheater aus Sicht der Anwältin "durchaus mit einer Entlassung bis zum Abschluss der Untersuchungen zuwarten" und bis dahin die Suspendierung aufrechterhalten können. Für Stantejsky hätte das einiges geändert, denn durch die Entlassung habe sie ihren Anspruch auf Pension verloren.

Stantejsky hat vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Entlassung geklagt. Mittlerweile sieht sie keine Lösung mehr abseits des Arbeitsgerichts, sagt sie in einem Interview mit Ö1. Zwar hätten Hartmann und Springer ihr in Aussicht gestellt, sie könne zurückkehren, wenn sie die Überweisungen aufklären könne und dabei helfe, den Jahresabschluss zu erstellen. Tatsächlich sei die Entlassung aber nicht zurückgenommen worden, obwohl sie trotz Entlassung und Krankheit mehrere Wochen lang im Burgtheater "aktiv an einer Aufklärung mitgewirkt" habe, so Stantejsky. Es sei lediglich angeboten worden, ihr die nicht verbrauchten Urlaubstage der vergangenen zwei Jahre auszubezahlen, falls sie die Entlassungsanfechtung zurücknehmen würde - "was eigentlich nur mehr als Zynismus gewertet werden kann, weil mir das ohnehin bei einer Entlassung zusteht".

"Keinen Schaden zugefügt"

Stantejsky erklärt ferner, dass sie den Betrag aus ihrem Vermögen bezahlt habe, um im Sommer, wenn die Kassen geschlossen hätten, Künstler-Gagen auszahlen zu können. Viele würden, laut Stantejsky, Barauszahlung bevorzugen. Am Ende der Ferien habe sie dann mit der Kasse abgerechnet. Stantejsky betont, "dass ich mich in keiner Weise bereichert habe und auch sonst keinerlei Schaden zugefügt habe". Sie habe zwar Georg Springer und Matthias Hartmann nicht ausdrücklich davon verständigt, aber so etwas sei immer wieder gemacht worden und daher sei es allgemein bekannt gewesen.

Aussagen von Bundestheater-Holding Chef Springer, sie habe ein buchhalterisches Parallelsystem aufgebaut, bestreitet sie energisch: "Sowohl Dr. Springer als auch der Aufsichtsrat wird von sämtlichen buchhalterischen Entscheidungen informiert. Parallel kann gar nichts geschehen." Ihr Verhältnis zu Springer sei derzeit "mehr als gestört". Es habe sie empört, dass er ihr "dolose Handlungen" vorgeworfen habe und sie erwägt derzeit, gerichtlich gegen ihn vorzugehen.

Der Holding-Chef wird auch von Neos-Kultursprecherin Beate Meinl-Reisinger kritisiert: "Es ist schon etwas gewagt von Herrn Springer, jegliche Verantwortung von sich zu weisen."

Ein zunächst für den 11. Februar anberaumter Verhandlungstermin wurde "auf Wunsch beider Parteien zwecks Aufbereitung der relevanten Sachverhalte vertagt", hieß es kürzlich aus dem Burgtheater. Ein neuer Termin werde voraussichtlich im April stattfinden. Ein externer Untersuchungsbericht zur den Stantejsky zur Last gelegten Vorwürfen wird bis Ende Februar erwartet. Die nächste Aufsichtsratssitzung des Burgtheaters findet am 10. Februar statt.