Wien. In den vergangenen Tagen und Wochen stellte sich Holding-Chef Georg Springer immer wieder dieselbe Frage: "Hätte ich es eher wissen können?" Bei der Pressekonferenz am Donnerstag kam er zu dem Schluss: "Tatsache ist, ich habe es nicht gewusst."

Der seit Monaten angekündigte Endbericht der Wirtschaftsprüfer von KPMG, der Klarheit in das Finanzchaos des Burgtheaters bringen sollte, entlastet vor allem den Aufsichtsrat und den Chef der Bundestheater-Holding

Der an die Journalisten verteilte Bericht mit dem launigen Titel "Projekt Sopran", datiert per 27. Februar 2014, ist ein zehnseitiger Auszug aus einem Gesamtbericht, der massive Anschuldigungen gegen die ehemalige Vizedirektorin Silvia Stantejsky erhebt. Die Vorwürfe waren im Wesentlichen bereits bekannt, einen umfassenden Eindruck ermöglicht das Handout, bei dem sämtliche Namen aus Datenschutzgründen geschwärzt sind, jedoch nicht.

Auch die endgültige Burgtheater-Bilanz für die Saison 2012/13 ist noch Gegenstand von Verhandlungen.

Erstmals dröselt der Holding-Chef jedoch auf, wie sich der mutmaßliche Bilanzverlust von 8,3 Millionen Euro zusammensetzt: 5,6 Millionen sind auf die veränderte Abschreibungspraxis zurückzuführen - Produktionen konnten nur noch über drei statt wie bisher über fünf Jahre hinweg abgeschrieben werden. Diese Kostenerhöhung war der Holding durchaus bekannt.

Doch die darüber hinausgehenden 2,7 Millionen Euro werden im Bericht dem Fehlverhalten der damaligen kaufmännischen Leiterin Stantejsky zugeschoben. Angeblich kam es zu zwei Fehlplanungen im Ausmaß von 1,6 Millionen - Personalkosten wurden um 900.000 Euro zu niedrig und Gastspielerträge um 700.000 Euro zu hoch angesetzt. "Die Zahlen haben für uns richtig ausgesehen", so Springer, "die Planungsfehler haben wir nicht bemerkt."

Dazu kommen die in den Medien bereits kolportierten Buchungen mit nicht nachvollziehbarer Belegsituation in der Höhe von 1,1 Millionen Euro. Das sind vor allem Kassaeinlagen, um die Bilanz zu einem bestimmten Stichtag hin schönzufärben. Über die Steuerrückzahlung von maximal 5 Millionen Euro wird derzeit mit dem Finanzministerium verhandelt - angedacht ist eine Pauschalzahlung. Springer dazu: "Wir wissen nicht, wann und in welcher Höhe die Steuernachzahlung schlagend wird." Den Verlust müsse das Burgtheater aus eigenen Kräften beheben, stellte der Holding-Chef klar. Er wolle "nicht über Maßnahmen spekulieren", deutete jedoch an, dass der Verkauf der Burg-Proberäume an Art for Art sowie eine Erhöhung der Kartenpreise angedacht seien.

"Ich bin mitverantwortlich"

Eine Sachverhaltsdarstellung ging bereits an die Staatsanwaltschaft sowie an den Rechnungshof - und Stantejsky wurde am Donnerstag anonym bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft angezeigt. "Diese berufenen Institutionen sind nun am Zug", so Springer, "sie sollen die Nebelfetzen lichten und über Verantwortung richten."

Abschließend beantwortete der Holding-Chef erstmals noch eine Frage, die ihm in diesen Tagen und Wochen häufig gestellt wurde: "Ja, ich bin mitverantwortlich für das, was hier passiert ist."