• vom 06.03.2014, 16:40 Uhr

Bühne

Update: 06.03.2014, 16:52 Uhr

Theaterkritik

Traumritter im Gemeindebau




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Von Petra Paterno


    Glücklos: Katrin Stuflesser (l.), Susanne Altschul.

    Glücklos: Katrin Stuflesser (l.), Susanne Altschul.© Bettina Frenzel Glücklos: Katrin Stuflesser (l.), Susanne Altschul.© Bettina Frenzel

    Alltagsgeschichten kommen in zeitgenössischen deutschsprachigen Theatertexten praktisch nicht vor. Lebensläufe von Frauen um die 60, die von der Banalität der alltäglichen Tretmühle handeln, gehören nicht gerade zu den Topthemen junger Autoren. Dem deutschen Dramatiker Jan Naumann, Jahrgang 1975, liegen Berührungsängste mit dem Ach und Weh von Protagonistinnen jenseits der Menopause jedoch fern. Im Zentrum seines Stücks "Herzschritt", 2008 uraufgeführt und nun als österreichische Erstaufführung zu sehen, steht eine 60-Jährige. Sie ist alleinstehend, kinderlos, etwas zu rund um die Hüften, wird noch dazu in Frühpension geschickt und ist insgesamt hinlänglich frustriert.

    Information

    Theater
    Herzschritt
    Kosmos Theater; bis 22. März


    Im Kosmos Theater hat Ausstatterin Andrea Bernd dafür eine triste Landschaft aus Büromöbeln, Küchenbank und Sofa eingerichtet, die an einen muffigen Gemeindebau erinnert. In diesem farblosen Einerlei entfacht Regisseurin Babett Arens mit dem vierköpfigen Ensemble ein präzises und pointensicheres Zusammenspiel. Vor allem Vera Borek überzeugt als flirrend-nervtötende Mutter. Wie eine Klette hängt sie an der erwachsenen Tochter, ruft zur Unzeit an, kommt unangemeldet vorbei. Dabei verkriecht sich Ursula (Susanne Altschul) am liebsten unter einer Decke und tröstet sich mit erotischen Fantasien. Ihr imaginierter Traummann wird - gelungener Coup - auf der Bühne von Wolfgang Lesky verkörpert, der den Fantasie-Lover stilsicher grotesk anlegt.

    Auch die Gespräche zwischen Ursula und ihrer Freundin Sabine (Katrin Stuflesser), die Mann, Kind und Haus hat, aber keinen Deut glücklicher ist, liefern gutes Pointenfutter. Neumanns verknappte Sätze entwickeln, wienerisch eingefärbt, Situationskomik, die in der soliden Inszenierung gut aufgehoben ist. Das Problem der Aufführung ist jedoch die Vorhersehbarkeit der Handlung, die im Lauf von 90 Minuten doch etwas langatmig wird und in Richtung kreuzbraves Fernsehspiel abdriftet.




    Schlagwörter

    Theaterkritik, Kosmos Theater

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    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2014-03-06 16:44:07
    Letzte Änderung am 2014-03-06 16:52:25


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