Thomas Glavinic hat vor sieben Jahren mit der Ich-Erzählung "Das bin doch ich" die Kritik gespalten. Eine Satire auf die Literaturbetriebsamkeit der Ämter, Verlagslektoren, Medien? Das selbstironische Bekenntnis eines eitlen Paranoikers, der sich heilsam niedersäuft? Wichtigmacherei eines Erfolglosen? Oder doch weiter, höher gegriffen? Wird nämlich in der Buchtitelzeile nicht das letzte, sondern vorletzte Wort betont, erhellt sie sich als zugleich kecke wie resignative Antwort auf Rimbauds Vision "Ich ist ein anderer", mit der 1871 die Moderne ihren Aufbruch in ekstatische Höhen ankündigte.

Glavinic breitete in seiner Eigenblutprosa aus, was schriftstellerische Flugversuche bremst. Zu Beginn der Episodenfolge die Erinnerung an eine Literaturveranstaltung im Wiener Rabenhoftheater. Dort sind alle gut Freund mit dem Jungsteirer, der für den Vexierspiegel-Krimi "Der Kameramörder" gerühmt wurde: der Impresario Thomas Gratzer, der Kabarettist Thomas Maurer, sogar der Kritiker Klaus Nüchtern und Kulturstadtrat Mailath-Pokorny. Nun ist das Buch in den Rabenhof zurückgekehrt.

Das Buch im Theater


Fünf Jahre nach der Fünf-Stunden-Audio-CD mit Thomas Maurer als Sprecher hat es sich Christian Dolezal, gewiss mit Billigung des Autors, zugerichtet zu einer Eineinhalb-Stunden Solo-Performance. Die Regie, selbstverständlich von Thomas Gratzer, weiß mit Blackouts und Szenensprüngen den Prosaquell sprudelnd zu halten.

Ein Heimspiel bei der Premiere vor der ganzen Clique samt Kulturstadtrat. Nach einer Farblichtorgie zu Hardrock wankt Dolezal weinselig in den Saal. Der besoffene steirische Dichter und sein Kater: ein Standesklischee. Sobald er schlaksig groß dasteht und ihn die Angst vor dem Hodenkrebs beutelt, hat Dolezal das fremde Ich besser im Griff. Bald teilt er seine Stimme: Sesselliftfahrt mit Hindernissen an der Seite des quasselnden Schwiegervaters. Ebenso volksnah: die immer gleichen Fragen einfacher Leute, wie man sich als Schriftsteller fühlt und ob man vom Schreiben leben kann.

Die Kurzfassung des Buchs ist kabarettistisch zugespitzt für den weit in die Provinz verzweigten Kleinkunstmarkt. Was 2007 noch Literaturspecht-Ondit war, ist längst vergessen. Einige Perlen blieben in Dolezals Sprechmummenschanz bewahrt. Clique-claque: Der familiäre Applaus war gesichert.

Rabenhof

Das bin doch ich

Von Thomas Glavinic

Mit Christian Dolezal

Rabenhof