"Ich meint’, es müsst’ später sein!", singt Wozzeck im zweiten Akt, und so mancher Besucher stimmte zuletzt wohl zu: Die Staatsoper begann Alban Bergs Meisterwerk bereits um 16 Uhr, und zwei pausenlose Stunden später stand man schon wieder vor der Tür. Eine Zeitverschiebung, an die man sich gewöhnen wird müssen: Sonntagsaufführungen sollen, jedenfalls bis Saisonende, deutlich früher starten. Der Grund dafür sei übrigens nicht finanzieller, sondern demokratischer Natur: Man wolle den Bundesländer-Gästen eine stressfreie Heimfahrt ermöglichen.

Fulminant gesungen


Zu hoffen ist freilich, dass das notorisch hohe Besucheraufkommen am Haus auch bei Bergs Geniestreich nicht abreißt. Dass er das Publikum auch rund 90 Jahre nach seiner Uraufführung noch fordert, war am Sonntag evident - ebenso wie die hohe Güte der Darbietung: Fast eine Modellaufführung, hätte Dirigent Dennis Russell Davies das an sich delikat phrasierende Orchester nicht zu mancher Sängerunfreundlichkeit animiert.

Gesungen wurde indes grandios: Evelyn Herlitzius beschwor das Beuteschema der Marie ("Soldaten!") unverhofft lyrisch, ließ ihren reichen Ton dann in hochdramatischen Sphären glühen. Matthias Goerne (Wozzeck) wiederum erwies sich mit moosweicher, dichter Stimme als empfindsamer Untergeher, erzielte mit seiner Klangkultur psychologische Tiefenwirkung. Erstklassig auch seine Peiniger: Da war Herwig Pecoraro ein dämonisch säuerlicher Hauptmann, Wolfgang Bankl ein Doktor von dröhnender Morbidität und Herbert Lippert ein klangscharfer Tambourmajor - Applaus.

oper

Wozzeck

Staatsoper; Wh.: 27., 30. März