Wilhelm Buschs Chronique scandaleuse "Max und Moritz" erschien 1865, seitdem haben ganze Generationen von Lesern für die beiden Lausebengel Partei ergriffen. Wie sie der Häme der biederen Bürger anheimfallen, regt einfach zum Widerspruch an. Busch, Meisterzeichner explodierender Turbulenzen, lässt das Geschehen eskalieren - am Ende sind die Burschen, ricke-racke, zermahlen und aufgefressen vom Federvieh.

Diese Erzählstruktur, die sich vom Idyll zum Inferno entwickelt, haben die Theatermacher im Rabenhof gewissermaßen auf den Kopf gestellt: In Bernhard Studlars freihändiger "Max und Moritz"-Bearbeitung herrscht zu Beginn eine Diktatur. Die Unterdrückten stammen aus Buschs Figurenkabinett - Witwe Bolte, Lehrer Lämpel, Schneider Böck, Onkel Fritz (fulminanter Rollenwechsel: Bernhard Majcen). Max und Moritz sind mit ihren grellbunten Kostümen und derben Späßen die letzten Unangepaßten. In einem furiosen Streichefeuerwerk bringen sie den Diktator um die Ecke.

Der 70-Minuten-Spaß für Kinder ab sechs Jahren ist von Roman Freigaßner mit gewohnt lässiger Hand inszeniert, Ausstatterin Heike Mirbach hat prächtige Kostüme und ein ebensolches Bühnenbild entworfen. Das vierköpfige Ensemble agiert unter maximaler Spaßvorgabe. Dennoch hinterlässt die Aufführung einen zwiespältigen Eindruck. Das Team Studlar/Freigaßner hat am Rabenhof bereits mehrfach Kinderbuchklassiker mit den bewährten Mitteln des Regietheaters verfremdet (zuletzt: "Die prima Stadtmusikanten", 2012). Doch bei "Max und Moritz" wirkt der Handlungs-Remix zu sehr an den Haaren herbeigezogen.