• vom 01.04.2014, 19:54 Uhr

Bühne

Update: 01.04.2014, 20:09 Uhr

Theaterkritik

Sechs Groschen




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Von Christina Böck

  • Zwei Gugginger Künstlerleben als Triumph im Schauspielhaus.

Der Schrebergarten Verstand: Herbeck (Peter Badstübner) und Walla (Dietmar Nigsch).

Der Schrebergarten Verstand: Herbeck (Peter Badstübner) und Walla (Dietmar Nigsch).© Nikolaus Walter Der Schrebergarten Verstand: Herbeck (Peter Badstübner) und Walla (Dietmar Nigsch).© Nikolaus Walter

Ein Mann, dessen Welt nur von seinen Hosenträgern zusammengehalten wird: Das ist eines dieser Bilder, die zugleich so traurig und so lustig sind. Und so - vielleicht würde er es selbst so nennen - faustaufsaugig auf diesen August Walla zutreffen, wie ihn Dietmar Nigsch im Wiener Schauspielhaus derzeit spielt. Da gastiert nämlich "Ein schöner Hase ist meistens der Einzellne" von Philipp Weiss, eine Produktion des Projekttheaters Vorarlberg.

Information

Theater
Ein schöner Hase ist meistens der Einzellne
Schauspielhaus Wien
Wh.: 2. April


Das Stück, inszeniert von Susanne Lietzow, begleitet August Walla und seinen Gugginger Kollegen, den Dichter Ernst Herbeck, durch ihr aufgewühltes Leben. Vom Aufenthalt am Spiegelgrund für Walla, der dort "so a Glück ghobt hot". Und von Elektroschocks für Herbeck und den Eltern, die ihn in die Anstalt abschieben, weil sie mit dem schizophrenen Sohn nicht mehr zurande kommen. Bis zum Gugginger Psychiater Navratil, der Herbeck Titel zuwirft, zu denen er dann Gedichte schreibt. Und der auch Wallas Weltallendekunstkosmos im Schrebergarten der Mutter im "Duft von Burenwurst und Rosen" entdeckt.

Brunzhonig
Anfangs sagen Walla und Herbeck (Peter Badstübner) gar nichts, sitzen auf der Bühne, umrahmt von zwei Hasenmasken. Gesprochen wird von anderen, der Pflegerin vom Spiegelgrund etwa, brutal zärtlich gespielt von Maria Hofstätter und auf Leinwand projiziert. Stimmen, wie sie Schizophrene begleiten: "aus den Wänden, aus den Eingeweiden, aus dem Tintenglas". Erst mit der wachsenden künstlerischen Betätigung und dem beginnenden, wenn auch zaghaften Selbstverständnis (Herbeck: "Ich kann mich nicht mehr einordnen") beginnen die zwei selbst zu sprechen. Sie verstummen wieder im letzten Teil, in dem sich die Massen zu Loungemusik in die Art-Brut-Vernissagen wälzen und dort das "Geschmiere" über "Brunzhonig" abqualifizieren. Da sitzt Walla hinter der Leinwand auf einer Tuchent, abgetrennt vom hohlen Enthusiasmus. Davor schon hatte Herbeck angesichts tosendem, aber verständnislosen Applaus gesagt: "Es werden die Künstler wie Semmeln gebacken. Preis 6 Groschen."

Packend, berührend, mit Witz und grüblerischem Nachspiel: ein rares Theaterglück.




Schlagwörter

Theaterkritik, Schauspielhaus

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Dokument erstellt am 2014-04-01 17:08:07
Letzte Änderung am 2014-04-01 20:09:51



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