Talentfrei? Das Ensemble übt sich im Scheitern. - © D. Mentzos
Talentfrei? Das Ensemble übt sich im Scheitern. - © D. Mentzos

Auffallen um jeden Preis. Das scheint das Motto jedes einzelnen Tänzers in den an Barack Obamas Wahlslogan erinnernden "Yes, we can’t". So nennt William Forsythe, die Ikone des zeitgenössischen Tanzes, seine Performance, die am Wochenende im Tanzquartier Wien erstmalig in Österreich zu sehen war.

Schon der Titel schickt es voraus: Hier geht es um ein Kollektiv, das scheinbar gar nichts wirklich zustande bringt. Scheinbar! Denn Forsythes Performer zeigen einmal mehr mithilfe ihres "Scheiterns", wie virtuos sie darin sind. Auch wenn sie comedyartig sich selbst und die Welt der darstellenden Kunst ganz gewaltig durch den Kakao ziehen. So laufen die 17 Tänzer bunt und schrill gekleidet auf drei Mikrofone zu, trällern und brüllen voll Überzeugung auch Zitate von Arien, während Pianist und Komponist David Morrow sie tatkräftig unterstützt.

Doch Forsythes Performances vergessen nicht den "Tanz", der ihm seinen weltweiten Ruf brachte: Die klassische Tanztechnik löste er auf, um sie neu zusammenzusetzen. Diesmal nimmt er auch Ballette wie "Schwanensee" oder "Giselle" auf die Schaufel: Ein klein gewachsener, dunkelhäutiger Performer in blonder Perücke mit breitem Gretelzopf wie Julia Timoschenko dreht kunstfertig Pirouetten auf Spitzenschuhen. Aber auch die Traumfabrik Hollywood bleibt nicht unverschont, als er Schauspielerin Penelope Cruz trotz brutaler pantomimischer Mordattacken einfach nicht sterben lässt. Es wird viel gestolpert, Pointen vergeben, kurz: künstlerisch gescheitert, ohne ein Gefühl des Fremdschämens im Zuschauer hervorzurufen. Es folgen Entschuldigungstiradenzurzuvor gezeigten "Geschmacklosigkeit". Forsythe provoziert ein sensibles Wechselbad der Gefühle, das sich an die Grenzen des Erträglichen heranwagt, sie aber nie überschreitet.