Stringente Regie: Tito (Andrew Owens) nimmt Sesto (Gaia Petrone) an die Kandare. - © apa/Techt
Stringente Regie: Tito (Andrew Owens) nimmt Sesto (Gaia Petrone) an die Kandare. - © apa/Techt

Prag 1791: Zur Krönung von Leopold II. gießt Mozart das beliebte Metastasio-Libretto von der Milde des römischen Kaisers Titus Flavius Vespasianus in populäre Noten. Wer konnte ahnen, dass diese "Clemenza di Tito" sein letztes Bühnenwerk werden und die Regentschaft des Kurzzeitherrschers weit überdauern sollte? Und dass diese kaiserliche Festmusik einmal in der Wiener Kammeroper zu einem durchwegs unterhaltsamen Dramolett mutieren würde?

Auf der intimen Bühne gelingt dies zu allererst dank der schlüssigen Arbeit von Alberto Triola, der auf eine stringente Personenregie fokussiert. Schwarze Wände und wenig Ausstattung (die ostinat präsente Marmorbank sowie herabfallende Büsten unterstützten das klassische Dramatreiben) gaben den Blick auf höchstpersönliche Geschehnisse preis.

In den dezent zeitlosen Kostümen von Nina Hörner fiel der Outlaw Sesto im Punkergewand ungut auf: Arme Gaia Petrone, die hier schon viele schöne Auftritte hinlegte und nun in der Hosenrolle des Anti-Helden Mut zur Hässlichkeit und (darstellerisch wie vokal sicher) zum Verrat bewies. Andrew Owens gab einen vertrauensseligen, vor allem im ersten Teil des Abends recht brustschwachen Kaiser Titus, der sich ganz habsburgisch nicht von seiner göttlichen Bestimmung abbringen ließ. Von Frau und Freund verraten, machte er das einzig Logische: Er verzieh, und das tat Owens richtig überzeugend.

So lösten die imperialen Tugenden all die zwischenmenschlichen Verwicklungen rasch auf: Nach ihrem Attentatsversuch beugte sich die rachsüchtige Vitellia der Güte des Herrschers; die türkische Sopranistin Çigdem Soyarslan überzeugte hier mit dem durchdringenden, insistierenden Element in ihrer Stimme und beherrschte damit die Szene (sowie naturgemäß ihren Handlanger Sesto). Der liebende Annio von Natalia Kawałek-Plewniak blieb getrost kaisertreu. Der Auftritt der jungen Polin begeisterte: Gesangsfreunde kennen sie bereits dank diverser Sonderpreise beim Innsbrucker Cesti- und beim Zadek-Wettbewerb.

Dirigent Rubén Dubrovsky gab alles, seine Orchesterfassung für die Kammeroper bestach durch Werktreue. Mit viel Verve, teils enorm raschen Tempi, folgte das Wiener Bach Consort. Wenn die Bläser (zauberhafte Holzkantilenen!) noch an manch diffiziler Passage feilen, steht der Perfektion dieses kleinen, feinen Genusses nichts mehr im Weg.

oper

La clemenza di Tito

Kammeroper, bis 30. April