Robin Hood ist der Retter der Entrechteten, der beste Bogenschütze aller Zeiten - und ein Fall für Holger Schober. Der Autor, Regisseur und Schauspieler ist ein Spezialist für Mythen-Entrümpelung und Legenden-Zertrümmerung. In seiner kurzweiligen "Robin Hood"-Bearbeitung, die er selbst im Dschungel, dem Kindertheater im Museumsquartier, uraufgeführt hat, wird vor allem männliches Heldentum hinterfragt.

Robin Hood (Marcel Mohab) ist hier ein Schmählieferant in giftgrünen Strumpfhosen, mehr Tollpatsch als Heros. Mit dem Bogen wedelt er wild herum, hat aber keine Ahnung, wie man das Ding richtig spannt. Lady Mary (Sophie Berger) ist in dieser postmodernen Robin-Hood-Variante die weitaus bessere Schützin. Das emanzipierte Burgfräulein bietet dem Plappermaul gewitzt Paroli. Unterbrochen wird der launige Redefluss der beiden Protagonisten durch Tanzeinlagen: Steffi Jöris, Maartje Pasman und Rino Indiono stellen pantomimisch sämtliche Nebenfiguren dar und sorgen mit einer an Slapstick geschulten Choreografie regelmäßig für Lachsalven.

Schobers bewährte epische Dramaturgie setzt auf ein hohes Energielevel, stellt - ähnlich wie in seiner Antikenbearbeitung "Odysseus am Sand" - Bezüge zur Lebensrealität der Kinder her, bleibt offen für Improvisation und Interaktion mit dem jungen Publikum. Höhepunkt der Aufführung ist der Schlusschor. Auf der Bühne wird zur Melodie von Falcos "Rock Me Amadeus" gerappt, der Refrain lautet: "Du bist Robin, du bist Robin, du bist Robin . . ." Keine schlechte Kernbotschaft in Krisenzeiten.