Was verbindet Barack Obama mit Dominique Strauß-Kahn? Was haben Apple-Gründer Steve Jobs und Whistle-Blower Edward Snowden gemeinsam? Und wie passt die Bankenkrise, der Gangnam-Style und die Occupy-Wallstreet-Bewegung dazu? Diese Persönlichkeiten und Phänomene werden verhandelt in "Sweet Lies", der Performance von toxic dreams, die in der Garage X uraufgeführt wurde.

Regisseur Yosi Wanunu führt 80 Minuten lang durch Unbehagen im Neokapitalismus und orientiert sich dabei an der Tradition des Living Newspaper. Diese Form des politischen Theaters, entwickelt in den 1930er Jahren, bringt tagespolitisches Geschehen revueartig auf die Bühne und versucht, Theater nicht als Illusionsmaschine, sondern als Ort des Diskurses und Polit-Aktivismus zu etablieren.

Die Rahmenhandlung für Wanunus Krisenmorphologie bildet eine TV-Nachrichten-Show. Performerin Anna Mendelssohn führt als Nachrichtensprecher durch die Aufführung. Unterbrochen werden die kabarettistisch angelegten Nachrichten durch launige Werbeclips, die den geistlosen Gebrauch sozialer Medien anprangern, sowie durch überaus gelungene Musikeinlagen einer Live-Band. Fünf Sänger im tadellosen Frack klagen die Zustände - "the poor get poorer, the rich get richer" - stimmgewaltig an. Auch wenn man Wanunus Schlussfolgerung - man brauche wieder einen Politiker mit starker Hand - und dem etwas platten Aufruf zum Wutbürgertum nicht zustimmt, bleibt dennoch seine Analyse der Zustände treffend: "Austerity for all".