Skurrile
Skurrile

Eine im Kapuzenmantel verhüllte Gestalt streicht den Zuschauer beim Eintritt in den dunklen Zuschauerraum gespenstisch über den Rücken. Es gruselt einen. Dann betritt sie die in Nachtblau und Rauchschwaden gehüllte Bühne: Ein Wirbelwind an ungebändigtem Temperament saust da durch das brut im Künstlerhaus. Marlene Monteiro Freitas, die von den Kapverden stammende Choreografin und Tänzerin, zeigt im Rahmen der Festwochen ihr einstündiges Solo "Guintche". Sie schafft unter diesem Titel, der im Kreolischen für den Namen eines Vogels steht, aber auch als Ausdruck für Prostituierte oder für Menschen, die einen leichten, lockeren Lebenswandel pflegen, verwendet wird, eine skurrile Kunstfigur - in Federröckchen, silbernen Höschen und letztlich im Sportgymnastik-Trikot.

Freitas schwingt am Platz stehend ihre Hüften mehr als 30 Minuten, so dass nur das Hinsehen beim Betrachter schon Schmerzen verursacht. Dazu erzählt sie mit unglaublicher Ausdrucksstärke in Mimik sowie Gestik und einfallsreich an Armbewegungen sowie Schielorgien kurze Momentaufnahmen. Sie zu verstehen gelingt nicht immer, aber der Anblick ihrer Körperbeherrschung und der Ideenreichtum in der von Schlagzeug-Stürmen getriebenen Darstellung macht dieses Manko wieder wett.

Im ruhigeren zweiten Teil - sie trägt nun das im Zwiebellook freigelegte Sportlerinnentrikot - lässt die Faszination nach, Zitate aus der rhythmischen Sportgymnastik, dem Fechten und Yoga wiederholen sich. Die vielen Rollenwechsel sind zwar beachtlich, bringen aber Länge in die zuvor extrem kurzweilige Performance. Dann: eine Grimasse, Scherbenklirren und Licht aus. Der Wirbelwind ist vorbeigezogen, zurück bleibt eine beim Schlussapplaus schüchtern wirkende Freitas.

Performance

Guintche

Von Marlene Monteiro Freitas

brut im Künstlerhaus im Rahmen der Wiener Festwochen

Wh.: 24. und 25. Mai