• vom 04.06.2014, 16:38 Uhr

Bühne

Update: 04.06.2014, 16:50 Uhr

Opernkritik

Wotan im Stresstest




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Von Christoph Irrgeher

  • Die Staatsoper widmet sich wieder Wagners "Ring" - zuletzt mit gemischten Resultaten.

Vokales Machtgefälle: Kulman als dominante Fricka, Konieczny als Göttervater.

Vokales Machtgefälle: Kulman als dominante Fricka, Konieczny als Göttervater.© Staatsoper/Pöhn Vokales Machtgefälle: Kulman als dominante Fricka, Konieczny als Göttervater.© Staatsoper/Pöhn

Schon das muss man loben: Tomasz Konieczny ist über die "Walküre"-Runden gekommen. Und: Er krönte die Langstreckenpartie des Wotan, indem er den Feuerzauber unverhofft wuchtig entfachte. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht: Im Jahr 2007 ist dem Premieren-Wotan (freilich viral bedingt) frühzeitig die Stimme weggebrochen; der Ersatzmann wurde angeblich von einer Pizza weggerufen.

Information

Oper
Die Walküre
Donnerstag: "Siegfried"
mit Nina Stemme als Brünnhilde


Der Idealfall war aber auch die jetzige "Walküre" an der Staatsoper nicht. Konieczny, hier über die Jahre vom (formidablen) Alberich an die Götterspitze aufgerückt, glänzt nämlich fast nur durch Ressourcenmanagement. Die matte Seite der Medaille sind seine oft verhangenen Töne, weder angetan dazu, akustisch Allmacht zu signalisieren, noch den dritten Aufzug mit psychologischer Spannung zu speisen. Wobei das hier auch ein Meisterstück wäre: Sven-Eric Bechtolfs Regie versandet gegen Ende an der Talsohle der Fantasielosigkeit; und Jeffrey Tate, der Dirigent der aktuellen "Ring"-Serie, lässt das Orchester nach einem (vor allem für Siegmund) langatmigen Beginn oft struppig dröhnen und bisweilen stinnstiftende Strukturen vermissen. Resultat: In erster Linie ein Sänger-Stresstest, den Konieczny ebenso bestanden hat wie die robuste Allwetter-Brünnhilde von Linda Watson.

Mitunter steigt das Wagner-Niveau aber doch auch markant an; man dankt es vor allem Elisabeth Kulman als Fricka. Nicht nur fulminant stimmschön, färbt sie ihren Mezzo rollengestaltend emotional ein und setzt ihrem Göttergatten spitz bis hydrahaft zu. Hut ab auch vor Gun-Brit Barkmin, einer blühenden, glühenden, dabei wundersam wortklaren Sieglinde. Ain Anger wiederum erweist sich mit seiner Stimmbreite und -schwärze erneut als Super-Hunding; der routinierte Peter Seiffert zeigt vor allem in wichtigen Siegmund-Momenten volltönend Flagge. Zuletzt einhelliger Applaus trotz eines durchwachsenen Abends.




Schlagwörter

Opernkritik, Staatsoper, Ring

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Dokument erstellt am 2014-06-04 16:41:08
Letzte Änderung am 2014-06-04 16:50:51


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