Fünf Mal Julia aus Shakespeares wohl berühmtesten Stück "Romeo & Juliet": Der bildende Künstler und Regisseur Sungmin Hong vereint in einer Inszenierung fünf unterschiedliche Julia-Interpretationen, herausgerissen aus tatsächlichen zeitgenössischen Theaterproduktionen, vom Musical zum traditionellen Pansori-Theater hin zu einer Produktion für Kinder.


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Das Besondere: Die Schlüsselszenen des Stücks werden jeweils von fünf Frauen gleichzeitig gespielt und schaffen damit eine
Kakophonie aus unterschiedlichsten Stimmen, Gesten und Spielweisen. Fünffach wird geseufzt, geliebt, gelitten, schließlich gestorben.

Die Idee scheitert
an der Darstellung


Was als spannende Idee beginnt, scheitert jedoch zum Teil an der mangelnden Kraft der einzelnen Julia-Interpretationen: Trotz der eindeutigen schauspielerischen Stärke der einzelnen Darstellerinnen wirken die dargebotenen Julia-Interpretationen jede für sich überraschend kraftlos und blutleer; keine Julia vermag für sich zu bestehen, verliert sich im letztlich gleichen Stereotyp des passiven, unsicheren Mädchens. Ein gewisser Trotz und Witz wird lediglich der überzeichneten Julia aus einer satirischen Produktion zugestanden - und selbst hier endet die Darbietung im unreflektiert-selbstlosen Freitod. Das erzählt wiederum viel über das populäre koreanische Gegenwartstheater - vorausgesetzt allerdings, Sungmin Hong wählte die einzelnen Julia-Darbietungen bewusst repräsentativ.