Nur konsequent, dass Schenk ihr alle Kruditäten auszutreiben sucht. Beißt die Füchsin im Original den Hahn tot, wird er hier nur angeknabbert. Und wenn es dann eigentlich Prügel setzen sollte, triezt man die Übeltäterin nur mit Steckerln. Ein Wunder eigentlich, dass der Tod der Füchsin nicht zensuriert wurde. Schenk hat ihr besondere Liebe angedeihen lassen, ihr auch ein Vorrecht eingeräumt: Als einzige Waldbewohnerin darf sie - was im Libretto eigentlich alle Tiere tun - szenisch ein wenig menscheln. Janáčeks Ironie über die Zeitgenossen sucht man dabei aber vergebens: Im Rahmen der Balz öffnet Reiss ihr Fuchsjackerl und lässt die Rundungen einer, nun ja, foxy lady erahnen. Sentimental verbrämt, kehrt diese Erotik zuletzt wieder: Der alternde Förster herzt dann den Jungfuchs. Dahinter öffnet sich eine Art Jenseitsfenster im Wald. Gleißendes Licht dringt herein. Ist das Gott? Wohl eher der späte Versuch, für einen Mangel an Naturmystik zu entschädigen.

Musikalisch ist sie jedoch vorhanden, und nicht nur das. Ja, man sollte diesen Abend mit geschlossenen Augen verbringen, denn die Ohren bekommen das weitaus Schönste zu sehen. Franz Welser-Möst dirigiert, gewissermaßen in Fundamentalopposition zur Bühne, ein federleichtes "Füchslein" mit viel Verve und zeichnet dabei feine Klangporträts. Die Fliegenschwärme, die Grillen - all das wirkt orchestral ungleich subtiler als im szenischen Streichelzoo. Wobei der lyrische Ansatz einen Haken hat: Er lässt nicht jene Üppigkeit zu, die diese (übrigens leicht zugängliche) Musik mitunter verträgt. Andererseits: Dieses Nie-Schwer-Nehmen passt zu einer Geschichte, in der das Einzelschicksal weit unwichtiger ist als das stetige Werden. Und sängerfreundlich ist das natürlich auch.

Applaus für die Legende

Wobei die Besetzung mehr als anständig ist. So bleibt von Chen Reiss nicht nur Flauschigkeit in Erinnerung, sondern auch ihr wendiger Sopran; Gerald Finley mimt den Förster mit ebenso vornehmer Tracht wie Klangkultur. Und während Wolfgang Bankl als Wilderer die entsprechend bärbeißigen Töne liefert, erfreut Hyuna Ko mit einer vitalen Fuchs-Balz. Andreas Hörl (Pfarrer) und James Kryshak (Schulmeister) sorgen daneben für solide Klänge in der Schenke, und aus der Hundehütte gibt Ilseyar Khayrullova prägnant Laut, wenn auch nicht immer mit dem letzten Rest an Intonationssicherheit; und dann wäre da natürlich noch Publikumsliebling Heinz Zednik zu erwähnen, der den Hahn sang. Apropos: Für die Regie gab es freilich gewaltigen Beifall. Oder besser gesagt: für Schenk, die lebende Legende.

Oper
Das schlaue Füchslein
Wh.: 21., 24., 26. und 30. Juni