Am 7. Oktober eröffnet Michael Niavarani in der ehemaligen Rinderhalle St. Marx in Wien-Landstraße sein eigenes Theater. Im "Globe Wien" gibt er dann - quasi als Hommage an William Shakespeares zu dessen 450. Geburtstag - "Die unglaubliche Tragödie von Richard III." Vorher hat er noch sein neues Soloprogramm "Homo Idioticus" fertiggestellt. Und darin ist er voll in seinem Element.

Die "Sackgasse der Evolution" erklärt die "Kulturgeschichte des Trottels", verkündet Viktor Gernots Stimme vom Band zu Beginn. Das Kokettieren mit der eigenen Unzulänglichkeit hat somit begonnen, noch bevor er die Bühne betritt. Er, der seit gefühlten Jahrzehnten wieder einmal ein richtiges Solo spielt - und dabei trotzdem den Gernot irgendwie mit dabei hat. Er, der wie gewohnt über seine Wampe lamentiert und darüber, dass er schon immer älter ausschaut, als er ist (nämlich 46). Er, der schon nach wenigen Minuten ganz intim wird mit seinem Publikum, wenn er über sein nächtliches Lulu philosophiert. Er, der sich ohne den Gernot ordinärer denn je geriert - und dabei garantiert jedes Wort vorher auf die Waagschale gelegt und geprüft hat, ob man es laut aussprechen darf.

"Trottel ist nicht gleich Trottel"


Deshalb hat er sich auch den Programmtitel auf den Leib geschneidert. "Weil es überall nur Trottel gibt", wie Niavarani betont, um gleich darauf zu spezifizieren: "Trottel ist nicht gleich Trottel." Und dann erläutert er die feinen Unterschiede zwischen Volltrottel, Sautrottel, Koffer und Wappler, ehe er nach den Ursachen unserer Trottelhaftigkeit forscht - die er auch bald ausgemacht hat: Das Smartphone und die Neuen Medien überhaupt lassen uns verblöden. Eine Pointe, für die er breite Zustimmung bekommt von all jenen, die sich noch ans Vierteltelefon erinnern können. Und Niavaranis folgende Brandrede ist vor allem deshalb so unterhaltsam, weil seine Beispiele so treffend sind, manche davon allerdings nicht jugendfrei. Und da wird er auch schon wieder ein bisschen ordinärer, der Niavarani. Aber ganz ehrlich: Je ordinärer er wird, wenn er sich in Rage redet, desto lustiger finden ihn seine eingefleischten Fans.

Die Familie ist schuld


Außerdem ist er mittlerweile bei den elementaren Fragen des Lebens angelangt: Warum ist heute alles so kompliziert? Was kann man überhaupt noch essen? Mit wem kann man noch reden? Und wie sagt man jemandem, dass er Mundgeruch hat? Und vor allem: "Wieso bin ich eigentlich so ordinär?" Und da ist sie schon, die Selbstreflexion, die Niavarani auf der Suche nach Erklärungen in seine Familiengeschichte führt, in der er erst seine österreichischen Wurzeln - mit Proleten und G’spritzten und einem Opa als Erstem Geiger bei den Philharmonikern - vorstellt und später auch die persische Seite vorkommen lässt. Und wenn die Familienanekdoten nicht wahr sind, so sind sie zumindest gut erfunden.

Und dann ist da noch der Affe. Der, von dem wir alle abstammen, sodass alle Menschen auf dieser Welt miteinander verwandt sind, weshalb einerseits Rassismus absolut widersinnig ist und es andererseits einen Satz gibt, der immer und überall verstanden wird: "Hä?" Niavarani hat’s ausprobiert, sogar in China funktioniert’s.

Er kann auch sehr ernst sein


Ab da entwickelt sich der Abend ein bisschen hin zu einer Niavarani-Plauderstunde, einer Art Fortsetzung der "Encyclopaedia Niavaranica", des bis dato letzten Soloprogramms. Nur am Ende wird Niavarani dann doch kurz ernst, sehr ernst sogar, als er sich und seinem Publikum noch einmal so richtig bewusst macht, was da tatsächlich alles schiefläuft in unserer Welt. Und da ist er sogar nicht einmal ordinär dabei.

Am Ende gibt es den programmierten tosenden Applaus. Weil Niavarani nach einem Vierteljahrhundert auf der Bühne ja ganz genau weiß, wie er sein Stammpublikum ansprechen muss: nämlich mit seiner sympathischen Mischung aus herbem Charme, Proleten-Machismo und einer Prise Intellekt. Ach ja, und natürlich mit seinem unverwechselbaren Dackelblick.