Arm an Lichtblicken: Boesch (r.), Wey. - © apa/Styriarte/Kmetitsch
Arm an Lichtblicken: Boesch (r.), Wey. - © apa/Styriarte/Kmetitsch

Wir kommen ermüdet aus einer Aufführung, in der es behänd spuken sollte, die uns lustvoll irritieren will und vielleicht sogar hintersinnig bespaßen. Aber irgendwie will eben diese Leichtigkeit nicht in Gang kommen. Das Vergnügen scheint bei der diesjährigen Opernproduktion der Styriarte auf Sommerschlaf gegangen zu sein.

Henry Purcells "The Fairy Queen" also in Graz: Eigenartige, fahl geschminkte Wesen mit erdfarbenen Pyjamas und dichten Filzfrisuren bevölkern die Helmut-List-Halle. Es ist der verkleidete Arnold-Schoenberg-Chor, der an diesem Abend auch tanzen muss. Kann er denn das auch? Nein, natürlich nicht. Es ist ein aufgeregt zappelnder Bewegungschor, durch und durch ehrlich in der schlichten Bewegung. Auch insofern, als man auch Chormitglieder ins unvorteilhafte Kostüm gepackt hat, die sich weder dafür noch wirklich zum Tanzschritt eignen. Aber es ist ja "Fairy Queen" angesagt, also Sommernachtstraum. Wer sagt, dass man ausgerechnet in dieser Jahreszeit immer nur gut träumen muss?

Kein Mangel an Ehrgeiz


An ausformuliertem Ehrgeiz hätte es nicht gefehlt. Regisseur Philipp Harnoncourt hat sich eine Gegenwartsstory einfallen lassen: Ein Paar geht auf Outdoor-Trip, dazu trägt es einen Röhrenfernseher mit sich. Man findet sich beim Grillen - und wird von allerlei allegorischem Figurenwerk weggelockt. Man übt sich in Liebe und Verwirrspielen und dergleichen - und landet schließlich wieder im Heute. Müde vom Ausflug in die Natur, verschläft das Paar und wird von den allegorischen Jahreszeiten übers wahre Leben belehrt. Ein komischer Bursche im funkelnden Elvis-Kostüm hat da die führende Rolle übernommen, während sich der Schoenberg-Chor mit saisongemäß verkleidet. Und dann soll geheiratet werden . . .

Das liest sich recht plausibel. Es hört sich auch gut an, was Altvater Nikolaus Harnoncourt da mit dem ihm eigenen bärbeißigen Sinn für Tanzrhythmen am Pult des Concentus Musicus an Stimmungsbildern entfacht. Stimmt schon, "The Fairy Queen" könnte auch musikalisch etwas schwereloser klingen, duftiger. Aber Harnoncourt setzt auf extreme Gegensätze in diesen "Genrestücken", die einmal mehr Schuhplattler sind und dann wieder ganz idyllische, in den Tempi (wie Nikolaus Harnoncourt es liebt) extrem verlangsamte "Träumereien". Letztere überzeugen wesentlich mehr.

Es wird gut bis mäßig gut gesungen: Da ist der Pracht-Tenor Joshua Ellicott zu nennen, dann gleich die Sopranistinnen Dorothea Röschmann und Martina Janková. Auch der Countertenor Terry Wey macht als Lyriker gute Figur - und in einer Parodie-Travestie-Nummer im Duett mit Florian Boesch kommt wirklich Stimmung auf. Die Bass-Partien sind oft die karikierenden Beiträge. Boesch zaudert nicht. Weniger wohlmeinend könnte man Outrage dazu sagen. Elisabeth von Magnus hat stimmlich schon bessere Tage gesehen. Der Schoenberg-Chor: trotz Zusatz-Bewegungspensum musikalisch fein in Form.

Für eine konzertante Wiedergabe wären die Voraussetzungen günstig gewesen. Was man zu sehen bekommt, will Trippeln sein und ist doch nur verhatscht, verheddert sich zwischen zeitnahem Flair und kindisch-wortwörtlicher Umsetzung von Allegorien. Eine Pointe ist gut: Im Programmheft fand sich ein Einlagezettel, auf dem die Styriarte-Leitung bedauert, dass das Leading-Team "unübersichtlich" dargestellt sei. Da sieht man nun auf einen Blick, wem dieser lähmende Abend zu verdanken haben: Philipp Harnoncourt (Inszenierung, Bühne, Licht), Anna Schrefl (Choreografie), Lilli Hartmann (Bühnenmalerei).

Oper

The Fairy Queen

Styriarte, Graz

Wh.: 25., 27. und 28. Juni