Randall McMurphy hat mit einer Minderjährigen geschlafen; um dem Gefängnis zu entgehen, täuscht er eine Psychose vor und landet in der psychiatrischen Anstalt. Hier geht es weniger gemütlich zu als erhofft: Unter der eisernen Führung der Oberschwester Ratched werden die Patienten kleingehalten und ruhiggestellt, für Individualität gibt es keinen Platz. Dem aufmüpfigen McMurphy gefällt das gar nicht, weshalb er schon bald die Insassen auf seine Seite bringt und den Aufstand probt - was zunächst gut geht, aber in der Katastrophe endet.

Mehr Mut


Anlässlich des 50. Jubiläums der Festspiele Stockerau inszenierte Intendant Zeno Stanek den amerikanischen 60er-Jahre-Stoff "Einer flog über das Kuckucksnest" in einem Gefangenenkäfig vor der Kulisse des Kirchturms am Dr. Karl-Renner-Platz in Stockerau. Doch Bühne und Schauspieler stehen weitgehend allein da an diesem Abend: kein Spiel mit der umstehenden Kulisse, kein Wagnis eines Ausbruchs aus dem Rahmen. Was vielleicht egal wäre, würde die zögerliche Regie insgesamt weniger auf gefällige Heiterkeitsszenen im Irrenhaus setzen und stattdessen stärker die in der Vorlage vorhandenen Abgründe aufreißen, die erst eine tragische Fallhöhe der Figuren ermöglichen.

Starke Szenen wie der kurze Machtkampf zwischen Schwester Ratched (Elke Hartmann) und dem jungen, zu erstem und gleich wieder vernichtetem Selbstbewusstsein erwachten Billy (Konstantin Gerlach) lassen erahnen, was mit mehr Mut zu starken Emotionen möglich gewesen wäre.