Es waren Tage der Ungewissheit: Rund vier Millionen Euro Überschuldung, ein Insolvenzantrag und der Rückzug von Festspiel-Gründer Wolfgang Werner sorgten für ungewollte Aufmerksamkeit - und für Zweifel daran, ob es in St. Margarethen weiterhin Oper zu sehen geben wird. Nun war man im Römersteinbruch spürbar erleichtert, endlich das tun zu können, wofür lange gearbeitet worden ist, nämlich Verdis "Aida" aufzuführen. Am Premierenabend wurde Kontinuität vermittelt: Von der Bühne herab ward verkündet, dass es eine Auffanggesellschaft geben werde, um weiterhin Freiluftoper präsentieren zu können. Und 2015 soll Puccinis "Tosca", erneut in einer Regie von Robert Dornhelm, aufgeführt werden. Der sichtlich geknickte Wolfgang Werner soll einem neuen künstlerischen Leitungsteam als Berater zur Verfügung stehen.

In seiner wahrscheinlich letzten Arbeit für St. Margarethen hat Bühnenbildner Manfred Waba aus dem Vollen geschöpft und ein Ägypten-Fantasy-Land in den Steinbruch gestellt: mit Obelisken, riesigen Statuen und einer 22 Meter hohen Sphinx. Die Komparsen in opulenten Kostümen von Susanne Özpinar transportieren ein barockes Ägypten-Bild. Und echte Pferde gab es, nebst dem obligaten Feuerwerk, auch zu bewundern.

Dramatische Tiefenwirkung

Wie in den Vorjahren sind in St. Margarethen auch heuer junge, interessante Sängerinnen und Sänger zu hören. Die Hauptrollen sind dreifach besetzt, bei der Premiere lieh Kristin Lewis der Aida ihre bezaubernde Erscheinung. Die US-Amerikanerin sang mit klarer, heller Stimme fein ziselierte Melodiebögen und brachte es auch zustande, ihre Stimme im unteren Register mit Volumen auszustatten. Emotionell blieb ihre Darstellung jedoch oberflächlich. Nur selten gelang es ihr, Gefühle auch als Subtext unter die gesungenen Noten zu legen, zu sehr schien sie auf Sicherheit bedacht. Annunziata Vestri war als Amneris ein kühl-dämonischer Gegenpol zu Lewis‘ Lieblichkeit. Die tiefen Männerstimmen überzeugten: Ramaz Chikviladze orgelte als König. Luca Dall’Amico wirkte zwar als Oberpriester wenig furchteinflößend, zog aber mit einer achtsam geführten, weichen Bassstimme die Aufmerksamkeit auf sich. Tenor Martin Muehle vermittelte ein zwiespältiges Bild: Spitzentöne wuchtete er mit Leichtigkeit, Glanz und großem Volumen ins Publikum, in der Mittellage trübten jedoch bröselnde Intonation und rhythmische Unsicherheiten seine Deutung. Dirigent Alfred Eschwé sorgte für zügige, wirkungsvolle Klänge des Orchesters. Um die feinen Valeurs dieser diffizilen Partitur zu vermitteln, waren jedoch der Aufführungsrahmen zu groß und die Streicher des rumänischen Festspielorchesters zu anfällig für wackelige Solostellen.

Regisseur Dornhelm nutzte die riesige Bühne und bot wuchtige Massenszenen. Auch in seiner zweiten Opernregie für St. Margarethen zoomte er mit Kameras ins Bühnengeschehen. Die Projektionen baute er mit größerer Raffinesse als noch 2013 ein: Weiße, pfauenartige Kostüme dienten ebenso als Projektionsflächen wie die Felswände und die Dekoration selbst. Mit ins Bühnenbild integrierten Videobildern zauberte er dramatische Tiefenwirkungen. Rein filmische Möglichkeiten nutzte er allerdings für die Handlung - und das ist für einen erfahrenen Kinoregisseur verwunderlich - kaum (verglichen etwa mit der auf diese Art von Inszenierung spezialisierten Britin Katie Mitchell, die in Salzburg heuer wieder via Live-Video neue Wirklichkeitsräume öffnen wird).

Die konkrete Personenführung blieb in Opernklischees stecken. Nur selten gelang es, die in der Musik nuancenreich geschilderten zwischenmenschlichen Dramen auch packend darzustellen. Einzige Ausnahme: der stimmlich wuchtige Alexey Dedov als Amonasro. Er vermochte Wut und Verzweiflung in seine Interpretation zu legen und die großen Bühnendimensionen vergessen zu machen. Fazit: ein optisches Spektakel mit bemerkenswerten Stimmen.