Ein anderer "Schwanensee": Dada Masilos neue Version beim Impulstanz. - © John Hogg
Ein anderer "Schwanensee": Dada Masilos neue Version beim Impulstanz. - © John Hogg

Wien. "Schwanensee" - das ist weiße Hochkultur schlechthin mit Kitsch und Glamour: ein Prinz, der sich in eine Schwanenprinzessin verliebt, mit zartem Getrippel auf eleganten Spitzenschuhen und mit Tschaikowskis Klängen in seiner ballettösen Reinkultur. Bei Dada Masilo ist aber alles anders. Wobei: Weiße Tutus und Spitzenschuhe gibt es auch.

Die 29-Jährige im südafrikanischen Soweto geborene und in den letzten Jahren der Apartheid aufgewachsene Tanzschaffende dekonstruiert den Romantik-Klassiker, mixt dafür ganz unterschiedliche Stile und fügt sozialpolitische Themen hinzu: "Ich erzähle so ziemlich den gleichen Inhalt wie das Ballett, nur ist mein Prinz Siegfried schwul und Odile (im Original die Schwanenprinzessin, Anm.) wird von einem Mann getanzt", so die Choreografin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Doch wer glaubt, dies und die humorigen Pointen in der Inszenierung zielen auf eine Parodie des Originals, der irrt gewaltig. Ganz offensichtlich möchte Masilo auf soziale Missstände vor allem in ihrer Heimat aufmerksam machen. "Ich beschäftige mich in dieser Version des Klassikers mit Homosexualität, Homophobie und Geschlechter-Stereotypen." Zumal Tschaikowski selbst homosexuell war. Nebenbei hinterfragt sie obendrein auch die Klischees des Balletts als Archetypus der europäischen Kultur. "Im klassischen Ballett ist die Tänzerin jene im Tutu und auf Spitzenschuhen. In meiner Version tragen auch die Männer Tutus und die männliche Odile tanzt auf Spitze", so Masilo.

Aber warum wählte sie gerade "Schwanensee", ein romantisches Drama, um brisante gesellschaftliche Themen aufzuzeigen? "Es war das erste Ballett, das ich im Alter von 12 Jahren, als ich mit dem Tanzen begann, gesehen habe. Ich verliebte mich in die Tutus, in die Musik von Tschaikowski und natürlich in das Märchen." Es war immer Masilos Wunsch, in diesem Stück zu tanzen, und "da ich keine Ballett-Tänzerin wurde, entschloss ich mich, meine eigene zeitgenössische Version zu kreieren." Et voilà.

Nach ihrem fulminanten Soloauftritt in William Kentridges "Refuse The Hour" im Vorjahr - der südafrikanische Landsmann kreierte eigens für sie ein "Solo for Dada" und erkor sie zu seiner Muse - kehrt sie mit ihren elf Tänzern und ihrer Neuinterpretation zum diesjährigen Impulstanz-Festival auf die Bühne des Volkstheaters zurück. Und sie zeigt diesmal eine Demonstration ihres ungewöhnlichen Stils: Masilo verwebt das leichtfüßige, elegante klassische Ballettvokabular mit erdverbundenem, zeitgenössischem afrikanischen Tanz. "Ich bin der Meinung, dass der südafrikanische Tanz heute äußerst relevant ist, denn er ist Zeichen einer anderen Kultur, Tradition, Leidenschaft und Energie, die allesamt typisch für unser Land sind", sagt Masilo auf die Frage nach der Relevanz des afrikanischen Tanzes in Hinblick auf die Performancewelt.