Tierfelle, Bettdecken, Indianer-Poncho oder auch ein Kostüm wie aus Kevin Costners Endzeitfilm "Waterworld" sind nur einige der vielen Ingredienzien, aus denen "Sketches/Notebook" zusammen gewürfelt ist. Aus einer abstrakten Aneinanderreihung von Szenen besteht die jüngste Performance der in Berlin lebenden US-Amerikanerin Meg Stuart, die zurzeit im Tanzquartier Wien im Rahmen des Impulstanz-Festivals zu sehen ist. Empfehlenswert, soweit man mit organisiertem Chaos und schrillem Kuddelmuddel umgehen kann.

Einlass-Wirrwarr


Und dieses Durcheinander beginnt schon beim Einlass, wenn plötzlich eine der beiden Türen, die zur Halle G führen und durch die bereits einige Zuschauer eintraten, geschlossen wird. Erreicht man dann doch noch den Publikumsraum durch die andere Türe, gibt es keine Sitzplätze mehr. Und die Stiegen bieten keine erlaubte Alternative. Letztlich wurde dies aber doch noch gelöst.

Weiter geht das Wirrwarr dann auf der Bühne, die sich im Zentrum befindet, die Zuschauer können also die Performance von allen Seiten sehen. Und zu sehen gibt es viel: Stuart konstruiert eine Parallelwelt, in der die Performer scheinbar emotionslos ihre Sketches abspielen. Sie streifen Bewegung, Theater, Architektur, bildende Kunst sowie Musik und - nicht zu vergessen - Improvisation und vermengen diese Genres zu einem bunten, schrillen Mosaik. Zu Beginn gibt es das musikalische Titelthema von "Jurassic Park" in einer Endlosschleife. 30 Minuten, die strapazieren. Aber man kann sich davon ablenken: mit Performern, die sich in einem Fellberg ineinander verschlingen, oder mit einem Darsteller, der per Hebebühne eine Discokugel an den Metallverstrebungen an der Decke montiert. Dazu zwei weitere, die mit einer enormen silberblauen Riesenfolie im Raum herumlaufen und somit Lichtspiele veranstalten.

Interaktionen mit Publikum


Amüsant wird später dann ein performatives Gruppenkuscheln, bei dem alle möglichen Tücher, Jacken und Stoffstücke samt einer Kuhglocke ins Zentrum der Gruppe gestopft werden und alles irgendwie drunter und drüber angezogen sowie ausgezogen wird. Gleichzeitig robben sie von einem zum anderen Ende der Bühne. Das Publikum wird interaktiv einbezogen: Es darf Murmeln zurückschießen oder gegen Ende der zweistündigen Performance gar mit den Performern mitlaufen, um sich dann auf den Boden zu werfen und eine Figur mit den Händen und Beinen eines anderen zu formen. Stuart hält ihr Publikum auf Trab, Langeweile kommt nie auf.

Doch ein roter Faden ist in dieser Performance nicht zu erkennen, der Titel aber fasst den Abend zusammen: Ein Skizzen- oder Notizbuch, in dem vieles kurz angerissen wird, aber letztlich auch viele Fragen offen lässt. Für manche Zuschauer zu viele, denn sie verließen die Performance vorzeitig.