Ungeliebter Bayreuther "Tannhäuser": Camilla Nylund als Elisabeth in Sebastian Baumgartens Regie. - © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath
Ungeliebter Bayreuther "Tannhäuser": Camilla Nylund als Elisabeth in Sebastian Baumgartens Regie. - © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Diesmal ging es beim Einzug der Gäste ziemlich bayerisch zu. Die Promidichte war auf dem Grünen Hügel auch schon mal höher. Selbst die nicht nur beim Fußball, sondern auch in Sachen Wagner glaubhaft als Fan ausgewiesene deutsche Kanzlerin Angela Merkel war nicht dabei. Kommt aber später. "Götterdämmerung" nachsitzen. Nicht als Omen für was auch immer, sondern weil sie die im letzten Jahr beim Premiere-Reigen der Aufreger-Melange aus Frank Castorfs szenischer Herausforderung und Kirill Petrenkos Klangzauberei nicht geschafft hat.

Neuproduktionen stehen heuer ohnehin nicht auf dem Programm. So gibt es also nur den Biogasanlagen-"Tannhäuser" von Sebastian Baumgarten, den vor allem musikalisch gewachsenen "Holländer" (Regie: Jan Philipp Gloger) und den Laborratten-"Lohengrin" von Hans Neuenfels.

"Tannhäuser" mit Panne


Bei der ersten Vorstellung der letzten Hügelserie des ungeliebten "Tannhäuser" steuerte der Genius loci eine Panne bei: Der Venusberg-Käfig der Bühneninstallation von Joep van Lieshout, die jede gescheite Idee von Sebastian Baumgartens Regie erschlägt, verklemmte sich beim Hochfahren, die Haken flogen mit einem gewaltigen Knall aus der Verankerung. So war nach gerade mal zwanzig Minuten eine dreiviertelstündige Zusatzpause die Folge. Das Publikum nahm es sportlich, die Protagonisten hochprofessionell. Zunächst hatten Torsten Kerl und Michelle Breedt mit imponierender Gelassenheit ihren Tannhäuser-Venus Disput auf dem wackeligen Dach des Käfigs improvisiert. Als es weiterging, fanden beide zu einem durchaus festspielwürdigen vokalen Niveau.

Camilla Nylund ist wieder eine wunderbare Elisabeth und sowohl der neue Landgraf Kwanchul Young als auch der neue Wolfram Markus Eiche wurden als Späteinsteiger zurecht bejubelt. Axel Kober im Graben beherrschte sein Geschäft, behielt die Nerven und alle Fäden in der Hand. Nach wie vor beklemmend wirkt die Abschiebung der Pilger (wie Flüchtlinge) Richtung Rom und deren Rückkehr als gleichgeschaltete Saubermänner. Auch, dass diese Venus als Mutter eines Neugeborenen und die nach ihrem Tod verklärt wieder auftauchende Elisabeth gleichzeitig auf der Bühne verharren, während die rätselhaft an der Rampe wogenden Geschöpfe an das Animalische erinnern, ist so verkehrt nicht.

Sturm im Weißbierglas


Vor den ersten Durchgang des Ringzyklus hat dessen Regisseur Frank Castorf erstmal eine Verbalattacke gesetzt. Zwar in Radaulaustärke (via "Spiegel"), aber eher wie ein Sturm im Fränkischen Weißbierglas. Man wolle seinen "Ring" ausbremsen, habe Sänger umbesetzt, ohne ihn zu fragen. Wenn man sich allerdings vorzustellen versucht, wie es aussehen soll, dass die Festspielleitung (sprich Katharina) gegenüber dem "Ring"-Team die behauptete Einschüchterung praktiziert, dann ist das wohl eher ein Stichwort aus der Kiste mit den witzigen Inszenierungsideen (Alberich: mach mal das Ungeheuer). Aber ein gewisses Quantum Krawall und Genörgel gehört in Bayreuth dazu.

Das Rheingold ging dann problemlos über die Bühne. Und wurde bejubelt. Der Liebling des Publikums Kirill Petrenko sowieso, aber auch eine ziemlich geschlossen (wenngleich mit etwas Luft nach oben) auftretende Göttertruppe mit Wolfgang Kochs Wotan und Claudia Mahnkes Fricka an der Spitze. Auch Oleg Bryjak (die von Castorf monierte Umbesetzung) schlug sich als Alberich wacker. Und das Golden Motel von Aleksandar Denic entfaltete den gleichen finster heruntergekommenen, wuseligen Absteige-Charme wie im letzten Jahr. Zum Glück spielt Loge (etwas blass: Norbert Ernst) nur mit dem Feuerzeug und lässt die Tankstelle an der Route 66 nicht hochgehen. Fortsetzung folgt.

Oper

Tannhäuser

Sebastian Baumgarten (Regie)

Rheingold

Frank Castorf (Regie)