Bravo-Buh: Allison Oakes und Lance Ryan. - © Bayreuther F./Nawrath
Bravo-Buh: Allison Oakes und Lance Ryan. - © Bayreuther F./Nawrath

Sie, die deutsche Kanzlerin ganz privat in ihrem Urlaub, blieb bis zum Schluss. Und er kam. Der im Vorfeld maulende Frank Castorf stellte sich dem Teil des Publikums, der nur darauf gewartet hatte, es ihm zu geben. Es wurde aber eine schöne Bravo-Buh-Kontroverse. Irgendwie angemessen für eine Denkherausforderung und Bildüberwältigung, wie sie sein "Ring" nun mal ist.

Auch Lance Ryan bekam die wenigen Buhs für seinen Siegfried ab, die jeden Sänger treffen und zu denen er schon im Vorfeld eine Diskussion auslöste. Wenn er seine Stimme so gefühlsstark und differenziert im Griff gehabt hätte wie bei seiner Erinnerung an Brünnhilde, die er verströmt, als er von Hagens Baseball-Schläger schon zu Tode getroffen ist, wären sie völlig deplaciert. Bis dahin freilich bleibt seine helle, aber doch recht gehärtete, kraftvolle Fanfarenstimme gewöhnungsbedürftig.

Gerade, wenn an seiner Seite eine so blühende (und hörbar wachsende) Brünnhilde wie Catherine Foster steht. Dem Gibichungenpaar verpassten Alejandro Marco-Buhrmester als smarter Gunther und Allison Oakes als wirtschaftswunderliche Gutrune Profil.

Auch die heuer in Schwarz-Rot-Gold gewandeten Nornen und die flotten Rheintöchter sind gut besetzt. Im zweiten Akt fällt selbst die faszinierende Spannung, die Kirill Petrenko beisteuert, etwas ab, weil Oleg Bryjak (Alberich) und Attila Jun (Hagen) im Mulmigen schwächeln. Alles in allem war auch der Schlussteil dieses Rings über den Verlust der Utopien ein spannendes, hochpolitisches und opulentes Musik-Theater-Kunst-Stück. Und der Russe Petrenko sein Held.

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