Vor einer riesigen Projektion von Stahlhelmen und Waffen stehen drei Menschen. Durch ihre Kleidung ist zu erkennen, dass sie einem indigenen Volk angehören. Erstaunt betrachten die drei die Kriegsutensilien, die in einem Schaukasten präsentiert werden. Gleich zu Beginn wird das Spannungsfeld zwischen Geschichte, Krieg und kolonialen Strukturen gezeigt. Auf diese erste Sequenz folgen sorgfältig gewählte Tänze in wechselnden Konstellationen, die durch eine Stimme aus dem Off kontextual zugeordnet werden.

Die aus Chile stammende Choreografin Amanda Piña und der Schweizer Künstler Daniel Zimmermann setzen sich in "War" mit dem Thema Krieg und dessen Auswirkungen auf den menschlichen Körper auseinander. Zusammen mit dem Osterinsulaner Pascual Pakarati hat Piña polynesische Tänze der Rapa Nui und Maori studiert und in ein Manifest gegen die fortschreitende Homogenisierung verwandelt.

Schräge Klangwolken


Kriegsereignisse wie der Untergang der "Lusitania" oder ein anonymer Drohnenangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft werden von den Choreografen herangezogen und in polynesische Tanzformen transformiert. Was ist zeitgenössisch, was folkloristisch? Was macht der Krieg mit den Menschen? Aufgeladene und schräge Klangwolken (Christian Müller) und rhythmisches Aufstampfen der Tänzer verstärken die militärischen Assoziationen und erinnern auch an Paraden und Kriegsrituale. "War" ist ein tänzerisches Aufbegehren gegen die allumfassende Monokultur.