• vom 06.08.2014, 16:40 Uhr

Bühne


Opernkritik

Französische Dreiecksgeschichten




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Von Rainer Elstner

  • Das Donaufestival Strudengau feiert den Komponisten Jean-Philippe Rameau.

Das Donaufestival Strudengau bringt zum 20. Mal Alte Musik ins mäandernde Donautal. Mit wenig Budget und viel Idealismus hat man eine Greiner Operntradition geschaffen: Der Höhepunkt des Musikfestivals ist stets die szenische Produktion eines selten zu erlebenden Werks. Intendantin Michi Gaigg wählte für die Jubiläumssaison zwei Einakter des französischen Komponisten und Jahresjubilars Jean-Philippe Rameau (1683-1764), nämlich "Pigmalion" und die in Österreich noch nie aufgeführte Erstfassung des "Anacréon" - beides Stücke mit obligaten Balletteinlagen, beides Dreiecksgeschichten. Der Bildhauer Pigmalion verliebt sich in seine Statue und vernachlässigt seine Angetraute Céphise. Der Dichter Anacréon macht sich mit einem schmachtenden Gedicht an seine Schülerin Chloé heran - eine Finte, um sie mit seinem Schüler Batile zusammenzubringen.

Die Dreierkonstellation wird im "Pigmalion" von einem Tänzerinnentrio gespiegelt, im "Anacréon" von einer Tänzerin gestisch kommentiert. Die Arbeit der Gruppe "Cie. Off Verticality" von Choreografin Rose Breuss will sich jedoch nicht recht ins Gesamtkonzept fügen, denn Regisseurin Manuela Kloibmüller vermag es nicht, dem Tanz einen poetischen Rahmen zu bieten. Die Beziehungen zwischen den Figuren bleiben auf Gemeinplätze reduziert, die Faszination des Künstlers für das von ihm geschaffene Objekt wirkt ebenso wenig nachvollziehbar wie die Strahlkraft des Dichters Anacréon.


Rameaus breite
Farbpalette leuchtet

David Munderloh kämpft als Pigmalion und Batile in den Gipfelregionen des tenoralen Haute-contre-Faches. Ihm gelingen wohlgeformte Töne in der Mittellage; hat sich seine Stimme jedoch in höchste Höhen zu schrauben, gerät der Stimmsitz ins Wanken. Annastina Malm singt als Statue wohltönend, Markus Volperts satter Bass poltert als Anacréon musikalisch wenig differenziert. Die belgische Sopranistin Soetkin Elbers macht den Abend zum Erlebnis: Sie setzt glasklare Spitzentöne, denen sie auch breites Volumen zu geben vermag, und gliedert ihre Arien sinnhaft und musikalisch spannend.

Das L’Orfeo Barockorchester unter der Leitung von Michi Gaigg zelebriert Rameaus Partituren. Im "Pigmalion" wird die lyrische Komponente betont, im "Anacréon" wiederum gelingt es, die Mittelstimmen zu beleben und die breite Farbpalette der Komposition zum Leuchten zu bringen.

Oper

Pigmalion/Anacréon

Donaufestival Strudengau

www.donau-festwochen.at

Wh.: 8. bis 10. August, 18 Uhr




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Dokument erstellt am 2014-08-06 16:44:04


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